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BAG-Sonderbericht KW 45/2020 zur Marktbeobachtung im Güterverkehr

Das Bundesamt fur Guterverkehr (BAG) berichtet im Rahmen der Marktbeobachtung im Vier-Wochen-Turnus uber die Auswirkungen der Corona-Krise auf den deutschen Guterverkehrsmarkt. Die Ergebnisse der telefonischen Befragung ausgewahlter Unternehmen stellen eine qualifizierte Momentaufnahme der aktuellen Wirkungen der Krise auf die Transport- und Logistikbranche dar. Der aktuell vorliegende BAG-Sonderbericht KW 45/2020 berucksichtigt Erkenntnisse und Informationen, die bis zum 5. November 2020 vorlagen.

Straßengüterverkehr

Im Straßenguterverkehr bewerten befragte Unternehmen ihre Auftragslage nach wie vor tendenziell positiv. Allerdings wird mit Blick auf die Entwicklung der Infektionszahlen und die jungst ergriffenen Maßnahmen zur Eindammung der Ausbreitung von SARS-CoV-2 eine Verschlechterung der Geschaftslage im Transportsektor befurchtet. Die angespannte Situation zeigte sich zuletzt u. a. in einem scharferen Umgangston und einem erhohten Konfliktpotential an den Rampen.

Aktuell sorgen sich befragte Transportunternehmen zudem um die zu Beginn des Jahres 2021 anstehende CO₂-Bepreisung von Kraftstoffen. Transportunternehmen befurchten, angesichts einer angespannten Finanzlage bei Unternehmen der verladenen Wirtschaft, hohere Energiepreise nicht uber Entgeltsteigerungen an Auftraggeber weiterreichen zu konnen.

In der KEP-Branche entwickelte sich der Aufschwung im Onlinehandel, insbesondere im E-Commerce, jungst erneut dynamischer. Mit dem anstehenden Weihnachtsgeschaft erwarten Branchenvertreter im B2C-Kundengeschaft einen Zuwachs des Sendungsaufkommens im Vorjahresvergleich von bis zu 20 Prozent und das Erreichen eines neuen branchenspezifischen Hochstwerts.

Der bereinigte Lkw-Maut-Fahrleistungsindex lag im jungsten Betrachtungszeitraum (25.-31.10.2020) im Durchschnitt rund 2,9 Prozent oberhalb des Vorkrisenniveaus (Durchschnittswert im Zeitraum 01.01.2020-22.03.2020). Allerdings kamen dabei auch Sondereffekte zum Tragen. Deutsche Lkw verzeichneten im aktuellen Betrachtungszeitraum einen Anstieg in Hohe von 2,7 Prozent, gebietsfremde Lkw von rund 4,2 Prozent.

Schienengüterverkehr

Die Nachfrage nach Schienenguterverkehrsleistungen in Deutschland liegt nach den Erkenntnissen des BAG aus Marktbeobachtungsgesprachen trotz gewisser Erholungstendenzen insgesamt weiterhin unterhalb des Niveaus der Vorpandemiezeit. Nach vorlaufigen Angaben des Statistischen Bundesamtes lag die Verkehrsleistung im Zeitraum von Januar bis August 2020 um rund 8,7 Prozent unter dem Wert des entsprechenden Vorjahreszeitraums. Eine nachhaltige Verbesserung der Auftrags-, Ertrags- und Liquiditatssituation zeichnet sich nach Angaben der befragten Eisenbahnverkehrsunternehmen in Deutschland bislang nicht ab. Die Gefahr von Insolvenzen in der Branche wird im Allgemeinen eher als gering eingeschatzt. Aufgrund der aktuellen Entwicklung der Corona-Lage rechnen befragte Unternehmen mit großen Herausforderungen in den nachsten Wochen.

Kombinierter Verkehr

Im Kombinierten Verkehr bleibt die Nachfrage ebenfalls hinter dem Vorkrisenniveau zuruck. Nach vorlaufigen Angaben des Statistischen Bundesamtes lag das Aufkommen an Containern und Wechselbehaltern im unbegleiteten Kombinierten Verkehr im Zeitraum von Januar bis August 2020 um rund 4,4 Prozent unter dem Wert des entsprechenden Vorjahreszeitraums; das Aufkommen an Sattelanhangern um rund 5,5 Prozent darunter. Auf fast allen Verbindungen des Kombinierten Verkehrs stehen freie Kapazitaten zur Verfugung. Wesentliche betriebliche Einschrankungen der KV-Terminals in Deutschland sind weiterhin nicht bekannt.

Binnenschifffahrt

In der Binnenschifffahrt hat die Transportnachfrage aufgrund der anziehenden Industrieproduktion gegenuber den letzten Monaten zugenommen. Dies gilt vor allem im Hinblick auf Beforderungen von Containern, Fahrzeugkraftstoffen, landwirtschaftlichen Erzeugnissen, Sekundarrohstoffen und Baustoffen. Dennoch bleibt das Transportaufkommen insgesamt deutlich hinter dem Vorkrisenniveau zuruck. Nach Angaben von Marktteilnehmern bestehe daher weiterhin ein großer Uberhang an Schiffsraum, der Preis- und Wettbewerbsdruck bleibe hoch. Nach Auskunft der Befragten wurde teilweise wieder vermehrt Kurzarbeit beantragt. Vielen Partikulierunternehmen falle es zunehmend schwer, ihren finanziellen Verpflichtungen nachzukommen oder anstehende Investitionen vorzunehmen. Liquiditatsengpasse und Insolvenzen seien daher weiterhin nicht auszuschließen.

Angesichts der jungsten Verscharfung der Maßnahmen zur Eindammung von SARS-CoV-2 befurchten befragte Unternehmen zum einen eine abermalige deutliche Abschwachung der Transportnachfrage, zum anderen erhebliche Beeintrachtigungen im grenzuberschreitenden Verkehr. Gewerbeseitig wurde auf massive Probleme im internationalen Binnenschiffsguterverkehr und Storungen in den Logistikketten verwiesen, falls die in der Muster-Quarantaneverordnung des Bundes aufgefuhrten Vorschriften auf Binnenschiffer Anwendung finden sollten. Angesichts typischerweise langerer Umlaufzeiten im grenzuberschreitenden Verkehr, insbesondere mit den ARA-Hafen, wird es insbesondere kritisch gesehen, dass eine Ausnahme von der Quarantanepflicht bei Einreisen aus Risikogebieten fur Beschaftigte im Gutertransport lediglich fur Aufenthalte bis zu 72 Stunden bei Einhaltung angemessener Schutz- und Hygienekonzepte bestehe.

Seeschifffahrt

Im Seeverkehr zeigen sich weiterhin Erholungstendenzen. Nach aktuellen Daten aus der amtlichen Seeverkehrsstatistik wurden in den ersten sieben Monaten des Jahres 2020 in den deutschen Seehafen mit insgesamt knapp 158,0 Mio. t zwar rund 10,4 Prozent weniger Guter umgeschlagen als im entsprechenden Vorjahreszeitraum; Umschlagruckgange zeigten sich dabei in allen großen deutschen Seehafen, insbesondere in Hamburg, und in allen Fahrtgebieten. Zuletzt wies der Seeguterumschlag jedoch wieder positive Vorzeichen auf: Im Vergleich zum Vormonat stieg er im Juli 2020 um rund 9,8 Prozent. Daten aus der amtlichen Seeverkehrsstatistik des Statistischen Bundesamtes liegen aktuell nur bis Juli 2020 vor.

Luftfracht

Im September stieg das Cargo-Aufkommen nach den Verkehrszahlen des Flughafenverbands ADV an den deutschen Flughafen um plus 0,4 Prozent (Aus- und Einladung: an+ab). Der seit uber zwei Jahren anhaltende Ruckgang im Luftfrachtaufkommen wurde im September 2020 erstmals gestoppt. Zuruckzufuhren ist dies auf eine hohe Importnachfrage und die positive Entwicklung der Ausladungen. Die vorsichtigen positiven wirtschaftlichen Impulse im Spatsommer spiegeln sich sofort in der Cargo-Nachfrage wider.
Dennoch fallt im Jahresverlauf die Cargo-Tonnage um minus 7,6 Prozent (an+ab) auf 3.290.036 t. Die Ausladungen fallen um minus 6,4 Prozent, die Einladungen um minus 8,7 Prozent.

 

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