Berlin, 20. August 2021

Mit ihrer für Samstag ab 17:00 Uhr angekündigten Fortsetzung des Arbeitskampfes im Güterverkehr trifft die Gewerkschaft der Lokführer nicht nur ihren Tarifpartner, die Deutsche Bahn AG, sondern schädigt das System Schiene insgesamt. Der DSLV Bundesverband Spedition und Logistik befürchtet deshalb, dass die zuletzt positiven Entwicklungen im Schienengüterverkehr durch die Streikaktionen zunichte gemacht werden. Das zwischen Speditionen, Industrieverladern und Eisenbahnverkehrsunternehmen über einen langen Zeitraum aufgebaute Vertrauen in Qualität und Zuverlässigkeit der Schiene könnte nachhaltig zerstört werden. Die Verlagerung von Gütern auf die Bahn ist eine wesentliche Säule der Verkehrswende - mit wiederkehrenden Arbeitsniederlegungen werden somit auch Nachhaltigkeitsziele bedroht.

„Streiks bleiben offensichtlich eine Achillesferse des Systems Schiene', so DSLV-Präsident Axel Plaß. „Auch bei vollem Zugeständnis der Rechtmäßigkeit von Tarifauseinandersetzungen und bei allem Verständnis für Arbeitnehmerinteressen: diese Form des Arbeitskampfes ist ein massiver Eingriff in die Rechtsgüter unbeteiligter Dritter mit negativen Auswirkungen nicht nur auf nationale, sondern auch auf internationale Beschaffungs- und Absatzwege sowie Produktionsprozesse - und das zu einer Zeit ohnehin bereits äußerst angespannter Lieferketten und Versorgungsengpässe für Industrie und Handel.'

Speditionen werden Massenguttransporte jetzt so weit wie möglich auf die Binnenschifffahrt verlagern und zeitkritische Güter auf den Lkw umdisponieren müssen - bei ohnehin knappen Laderaumkapazitäten. Auch private Eisenbahnverkehrsunternehmen werden durch den Streik behindert und können nur eingeschränkt arbeiten. Wo Züge noch rollen, zeigen sich die positiven Effekte des Wettbewerbs auf der Schiene.

Damit die Güterversorgung von Industrie und Handel so weit wie möglich aufrechterhalten werden kann, arbeiten die Speditionshäuser mit Hochdruck an Ersatzlösungen. „Die Logistikbranche und ihre Kunden müssen sich jetzt gewaltigen Herausforderungen stellen, denen sie sich aber in der Vergangenheit in vergleichbaren Streiksituationen größtenteils gewachsen zeigten', sagt Plaß. Trotz aller Anstrengungen: massive Verzögerungen in der Supply Chain, die weit über das System Schiene hinausgehen, werden viele Logistikkunden treffen. Gleichzeitig wird der organisatorische Zusatzaufwand die Kosten deutlich in die Höhe treiben.

„Durch die politische Unterstützung befand sich der Schienengüterverkehr in dieser Legislaturperiode im Aufwind - jetzt folgt ein Abriss der Strömungskante! Die zu befürchtenden Auswirkungen zeigen, wie unverhältnismäßig der Arbeitskampf einer Spartengewerkschaft an zentralen Hebeln nicht nur eines Unternehmens, sondern eines gesamten Verkehrssystems ist', so das Fazit des DSLV-Präsidenten.

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Maximilian Pretzel

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