Berlin, 7. Mai 2021

Digitale Plattformen fördern die Markttransparenz und können zur Effizienzsteigerung logistischer Prozesse auf ausgewählten Teilmärkten der Logistik beitragen. Den gesamten Logistikmarkt beherrschen werden sie hingegen nicht. Zu diesem Ergebnis kam das zuschauerstarke Expertenpanel des vom DSLV Bundesverband Spedition und Logistik ausgerichteten virtuellen Forums ,Plattformökonomie - Speditionen der Zukunft' auf der diesjährigen Leitmesse transport logistic.
 
Für den Erfolg von Plattformen sind neben einem hohen Sendungs- und Ladungsaufkommen einheitliche Datenformate, Standards und industrialisierte Abläufe grundlegende Voraussetzung. Diese einseitig auf Logistikmärkten gegenüber der verladenden Wirtschaft aus Industrie und Handel durchzusetzen, wird auch schnell wachsenden und finanzstarken digitalen Speditionen nicht gelingen. Zu sehr ist der Markt geprägt von einer Vielzahl von Logistikdienstleistern, die ihren heterogenen Kundengruppen individuelle Lösungen anbieten. Für die Etablierung monopolartiger Strukturen ist der Transport- und Logistikmarkt viel zu fragmentiert, so das einhellige Diskussionsergebnis.
 
Die Stärken etablierter Speditionen bleiben Erfahrungen im Supply Chain (Event) Management – also Flexibilität und Wissen, das Technologie alleine nicht abbilden kann und auf das auch Plattformbetreiber zukünftig angewiesen sein werden. Die Speditionswelt der Zukunft wird kein entweder oder, sondern eine Kombination beider Welten sein. Etablierte Speditionen und digitale Marktbegleiter können voneinander lernen. Obsolet werden Speditionen in Zukunft aber nicht. Vielmehr können sie ihre Geschäftsmodelle durch Plattformlösungen um zusätzliche Serviceangebote erweitern.
 
„Digitalisierung spielt in der Logistik eine entscheidende und marktrelevante Rolle – sie wächst evolutionär und beinah geräuschlos. Etablierte Speditionen entwickeln sich zunehmend von reinen Softwareanwendern für die Disposition und Tourenplanung hin zu Logistikdienstleistern mit weitgehend digitaler Abwicklung der meisten Geschäftstransaktionen“, beschreibt DSLV-Hauptgeschäftsführer Frank Huster die momentane Lage. Und weiter: „Der Digitalisierungsgrad der Logistikbranche ist bereits hoch und wächst weiter. Marktfähig bleiben vor allem die Speditionshäuser, die Marktkenntnisse, Fach-Knowhow und individuelle Kundennähe mit digitalem Leistungsvermögen verknüpfen können – also Hybride. Demgegenüber werden rein digitale Speditionen und Plattformen ihre Stärken vor allem in standardisierten und automatisierten Transportprozessen, wie zum Beispiel in FCL-Märkten mit Ladungsverkehren, entfalten und hier Marktanteile gewinnen.“ Hier entsteht allerdings auch der größte Druck auf die klassische Speditions- und Transportwelt. Die Kapitalstärke neuer Marktakteure in Verbindung mit automatisierten Dispositionsprozessen verändert nicht nur die Frachtraten, sondern auch das Margengefüge. 
 
Der Weg zu plattformübergreifenden Freight Eco Systems, die durch Datensammlungen gesamtwirtschaftliche Lösungen wie die Vermeidung von Leerfahrten und CO2-Emissionen auf europäischer Ebene beitragen könnten, ist nach allgemeiner Einschätzung noch weit. Das fehlende Vertrauen in den Schutz eigener Firmen- und Kundendaten steht der Interoperabilität von Plattformen spürbar entgegen. Zusätzlich bleiben fehlende Standards und die Heterogenität logistischer Prozesse Hindernisse.
 
Über die Relevanz von Plattformmodellen für die Speditionswelt der Zukunft im DSLV-Forum diskutierten am 6. Mai 2021 mit Silke Fischer, Head of Global Product Management | Sea Freight bei der Lexzau Scharbau GmbH und Kerstin Wendt-Heinrich, Geschäftsführerin der TOP Mehrwert-Logistik GmbH zwei Führungskräfte etablierter Speditionen. David Nothacker und Maximilian Schaefer sind Co-Founder und Geschäftsführer der Digitalspeditionen Sennder und InstaFreight, Dominik Dieckmann (Senior Manager / Key Account Director Freight & Logistics bei Accenture) fungierte im Panel als neutraler Experte. Moderiert wurde das Forum von DSLV-Hauptgeschäftsführer Frank Huster. Das Forum kann hier noch bis zum 21. Mai 2021 gesehen werden.

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