Das Bundesamt für Güterverkehr (BAG) berichtet im Rahmen der Marktbeobachtung nunmehr im Acht-Wochen-Turnus über die Auswirkungen der Corona-Krise auf den deutschen Güterverkehrsmarkt. Die Ergebnisse der telefonischen Befragung ausgewählter Unternehmen stellen eine qualifizierte Momentaufnahme der aktuellen Wirkungen der Krise auf die Transport- und Logistikbranche dar. Der aktuell vorliegende BAG-Sonderbericht KW 14/2021 berücksichtigt Erkenntnisse und Informationen, die bis zum 7. April 2021 vorlagen. 


Straßengüterverkehr 
 
In einem sehr volatilen Marktumfeld berichteten im Straßengüterverkehr tätige Unternehmen in den jüngsten Befragungen des BAG überwiegend von einer saisonüblichen Auftragslage; rund ein Viertel der Befragten sprach von einer schlechten Auftragslage. Vielfach wurde von Kostensteigerungen, insbesondere bei Kraftstoffen, berichtet, denen aufgrund des hohen nationalen und internationalen Wettbewerbs- und Preisdrucks häufig keine entsprechenden Umsatzsteigerungen gegenüberstünden. Im Jahr 2020 sank der Umsatz im Wirtschaftszweig „Güterbeförderungen im Straßenverkehr, Umzugstransporte“ nach vorläufigen Angaben des Statistischen Bundesamtes im Vergleich zum Vorjahr um rund 1,3 Prozent, im Wirtschaftszweig „Lagerei, sonstige Dienstleistungen für den Verkehr“ um rund 2,2 Prozent. Angesichts der Aussetzung der Insolvenzantragspflicht sank die Anzahl der Insolvenzen im Straßengüterverkehrsgewerbe im Jahresvergleich um rund 19,7 Prozent, im Bereich der Speditionen um rund 20,9 Prozent. 
 
Aufgrund der Einführung von Grenzkontrollen zu Tschechien und Österreich (Landesgrenze Tirol) im Rahmen von Corona-Schutzmaßnahmen kam es ab dem 14.02.2021 zeitweise zu mitunter erheblichen Beeinträchtigungen des Straßengüterverkehrs in Fahrtrichtung Deutschland. Die Folgen waren u. a. Lieferverzögerungen, von denen Teile der deutschen Automobilindustrie und Hersteller von Haushaltsgeräten (Weiße Ware) besonders betroffen waren. Ausweichverkehre fanden nach Erkenntnissen des Bundesamtes nicht in größerem Umfang statt. Im Verkehr mit Großbritannien, der zu Jahresbeginn infolge des Brexits stark gestört war, haben sich nach Angaben von Marktteilnehmern die Laufzeiten zwischenzeitlich wieder ein Stück weit normalisiert. Auf wachsende Kritik stoßen die häufig wechselnden, nicht einheitlichen Regelungen – sowohl national als auch international – zur Eindämmung der Ausbreitung von SARS-CoV-2, infolge derer es unternehmensseitig zu einem hohen Dispositionsaufwand kommt. Teilweise führt dies dazu, dass deutsche Güterkraftverkehrsunternehmen ihr Engagement im internationalen Verkehr reduzieren und sich stärker auf den innerdeutschen Verkehr ausrichten.
 
Zunehmend gibt es unternehmensseitig Hinweise, dass mit fortschreitender Dauer der Pandemie, der Maßnahmen zu deren Eindämmung und den resultierenden Folgen für Wirtschaft und Gesellschaft die Leistungsfähigkeit, Motivation und Zufriedenheit der Beschäftigten vor dem Hintergrund physischer und psychischer Belastungen sowohl in der Arbeit als auch im privaten Umfeld leide; Ängste und soziale Konflikte unter Beschäftigten nähmen zu. 
 
Der bereinigte Lkw-Maut-Fahrleistungsindex lag im Zeitraum vom 28.03. bis 03.04.2021 im Durchschnitt rund 5,1 Prozent oberhalb des Vorkrisenniveaus (Durchschnittswert im Zeitraum 01.01.2020-22.03.2020). Deutsche Lkw verzeichneten im Betrachtungszeitraum einen Anstieg in Höhe von rund 3,0 Prozent, gebietsfremde Lkw von rund 7,4 Prozent.  
 
Schienengüterverkehr 
 
Die Nachfrage nach Schienengüterverkehrsleistungen in Deutschland weist weiter Erholungstendenzen auf. Nach jüngsten vorläufigen Angaben des Statistischen Bundesamtes lag die Verkehrsleistung im Dezember 2020 um rund 12,1 Prozent über dem entsprechenden Vorjahreswert; bezogen auf das Gesamtjahr 2020 blieb sie um rund 4,2 Prozent hinter dem Vorjahreswert zurück. Der Umsatz im Wirtschaftszweig „Güterbeförderung im Eisenbahnverkehr“ sank im Jahr 2020 nach vorläufigen Angaben des Statistischen Bundesamtes im Vergleich zum Vorjahr um rund 3,5 Prozent. Die Anzahl der Insolvenzverfahren belief sich im Jahr 2020 auf insgesamt 3 (2019: 2).  
 
Kombinierter Verkehr 
 
Im Kombinierten Verkehr wurden im Dezember 2020 ebenfalls die Ergebnisse des Vorjahresmonats übertroffen. Nach vorläufigen Angaben des Statistischen Bundesamtes stieg das Aufkommen an Containern und Wechselbehältern im unbegleiteten Kombinierten Verkehr im Vergleich zum Dezember 2019 um rund 14,1 Prozent. Bezogen auf das Gesamtjahr 2020 lag es um rund 0,7 Prozent unter dem Vorjahreswert. Das Aufkommen an beförderten Sattelanhängern blieb im Jahr 2020 insgesamt um rund 1,3 Prozent hinter dem Wert des Jahres 2019 zurück. Auf fast allen Verbindungen des Kombinierten Verkehrs stehen freie Kapazitäten zur Verfügung. 
 
Binnenschifffahrt 
 
In der Binnenschifffahrt wirkt sich die anhaltend schwache Beförderungsnachfrage für Eisenerze, Metallprodukte und Kohle negativ auf die Paarigkeit der Verkehre im Hinterland der ARA-Häfen aus. Weiterhin gering ist auch die Nachfrage nach Mineralöltransporten. Gründe hierfür sind u. a. Vorzieheffekte aufgrund der Einführung der CO2-Abgabe zu Jahresbeginn und des Auslaufens der Mehrwertsteuersenkung zum 31.12.2020 sowie geringere Absatzmengen von Diesel, Benzin, Kerosin und Schweröl aufgrund des Lockdowns und der hiermit verbundenen Restriktionen im Reiseverkehr. Positive Impulse kommen hingegen aus der Containerschifffahrt. Nach der tagelangen Sperrung des Suezkanals drohen aufgrund des Andrangs an Containerschiffen nun allerdings Verzögerungen bei deren Abfertigung in den Seehäfen. Marktteilnehmer vermuten, dass es zu Ausweichreaktionen in andere Seehäfen kommen könnte. 
 
Nach vorläufigen Angaben des Statistischen Bundesamtes sank der Umsatz im Wirtschaftszweig „Güterbeförderung in der Binnenschifffahrt“ im Jahr 2020 im Vergleich zum Vorjahr um rund 12,1 Prozent, nachdem er bereits im Jahr 2019 um rund 11,9 Prozent gefallen war. Die Anzahl der Insolvenzverfahren belief sich im Jahr 2020 auf insgesamt 3 (2019: 6). Aktuell bedingt die anhaltend niedrige Transportnachfrage im Bereich der Massengüter vor allem im Rheingebiet ein deutliches Überangebot an Schiffsraum. Dies gilt insbesondere für das Segment der großen Schiffe. Der Druck auf die Frachtraten bleibt entsprechend hoch.  
 
Seeschifffahrt 
 
In den deutschen Seehäfen wurden nach jüngsten Veröffentlichungen im Jahr 2020 mit insgesamt rund 275,7 Mio. t rund 6,4 Prozent weniger Güter umgeschlagen als im Jahr 2019. Dies war der niedrigste Wert seit der Wirtschaftskrise im Jahr 2009 (rund 262,9 Mio. t). Der Rückgang im seeseitigen Empfang (-9,3 Prozent) fiel dabei höher aus als im seeseitigen Versand (-1,9 Prozent). Der Umschlag fester Massengüter sank um rund 8,8 Prozent, der Umschlag flüssiger Massengüter um rund 2,7 Prozent. Der Containerumschlag blieb im Jahr 2020 mit rund 14,0 Mio. TEU um rund 6,9 Prozent hinter dem Vorjahresergebnis zurück. Im Rahmen von RoRo-Verkehren nahm der Umschlag von Straßengüterfahrzeugen (einschl. deren Anhänger) um rund 4,1 Prozent, von unbegleiteten Lkw-Anhängern bzw. Sattelaufliegern um rund 6,9 Prozent ab. Alle Fahrtgebiete wiesen im Vorjahrjahresvergleich insgesamt rückläufige Umschlagvolumina auf. Im internationalen Vergleich fielen die Umschlagrückgänge in Hamburg (-7,6 Prozent) und Rotterdam (-6,9 Prozent) im Jahr 2020 höher aus als in Antwerpen (-3,1 Prozent) und den Bremischen Häfen (-4,2 Prozent). Der Umsatz im Wirtschaftszweig „Güterbeförderung in der See- und Küstenschifffahrt“ fiel im Jahr 2020 im Vergleich zum Vorjahr 2019 um rund 12,2 Prozent. 
 
Luftfracht
 
Für die Luftfracht meldete der Flughafenverband ADV in seinen aktuellen Verkehrszahlen für 2021 einen seit der Kalenderwoche 44/2020 zunehmend positiven Verlauf des Luftfrachtverkehrs an den deutschen Flughäfen. Bis Ende März 2021 lagen die wöchentlichen Steigerungen im Vergleich zum Vorjahr im deutlich zweistelligen Bereich (plus 28,9 Prozent in der 12. KW). Einige Passagierairlines haben auf die hohe Luftfrachtnachfrage reagiert und transportieren weiterhin verstärkt Fracht. 
  
Detaillierte Aussagen und Grafiken enthält der Sonderbericht KW 14/2021 des BAG.

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