Das Bundesamt für Güterverkehr (BAG) berichtet im Rahmen der Marktbeobachtung nunmehr im Acht-Wochen-Turnus über die Auswirkungen der Corona-Krise auf den deutschen Güterverkehrsmarkt. Die Ergebnisse der telefonischen Befragung ausgewählter Unternehmen stellen eine qualifizierte Momentaufnahme der aktuellen Wirkungen der Krise auf die Transport- und Logistikbranche dar. Der aktuell vorliegende BAG-Sonderbericht KW 22/2021 berücksichtigt Erkenntnisse und Informationen, die bis zum 2. Juni 2021 vorlagen. 
 
Straßengüterverkehr 
 
Im Rahmen der jüngsten Befragungen des BAG haben sich die Einschätzungen der im Straßengüterverkehr tätigen Unternehmen in Bezug auf nahezu alle unternehmensbezogenen Erhebungskriterien im Vergleich zur vorherigen Befragung erkennbar verbessert. Hinsichtlich der Auftrags-, Ertrags- und Liquiditätslage stieg der Anteil an den befragten Unternehmen, die aktuell kumuliert von einer guten oder saisonüblichen bzw. befriedigenden Situation sprachen. Bezogen auf die Auftragslage lag dieser Anteilswert bei annähernd 90 Prozent. Allerdings spiegele sich die hohe Beförderungsnachfrage nach Unternehmensangaben bislang häufig noch nicht in der Entgeltentwicklung wider. Die Umlegung vielfach berichteter Kostensteigerungen, insbesondere bei Kraftstoffen, werde weiterhin durch den nationalen und internationalen Wettbewerbs- und Preisdruck erschwert. Weitere betriebliche Herausforderungen erwachsen derzeit nahezu allen befragten Unternehmen durch einen wahrgenommenen Mangel an qualifiziertem Fahrpersonal und weiteren Fachkräften. Problematisch sind zudem aktuelle Lieferverzögerungen bzw. lange Lieferzeiten für bestimmte Lastkraftfahrzeuge, Auflieger und Fahrzeugersatzteile. 
 
Nachdem die Mitte Februar 2021 vom Bundesinnenministerium eingeführten vorübergehenden Grenzkontrollen zu Tschechien und Österreich (Landesgrenze zu Tirol) zwischenzeitlich aufgehoben wurden, berichteten Güterkraftverkehrsunternehmen im Rahmen der jüngsten Befragungen kaum noch von Behinderungen im grenzüberschreitenden Verkehr, die im Zusammenhang mit Corona-Schutzmaßnahmen standen. Anhaltenden Anlass zur Kritik bieten örtlich bestehende Schwierigkeiten bei der Kontaktierung öffentlicher Verwaltungseinrichtungen, teils lange Vorlaufzeiten für Terminvergaben und in der Folge Probleme bei der Beantragung von Genehmigungen, Verlängerungen von Führerscheinen und anderen Bescheinigungen sowie der Fahrzeugzulassung bzw. -abmeldung. 
 
Der bereinigte Lkw-Maut-Fahrleistungsindex lag im Zeitraum vom 22. bis 28.05.2021 im Durchschnitt rund 4,5 Prozent oberhalb des Vorkrisenniveaus (Durchschnittswert im Zeitraum 01.01.2020-22.03.2020). Deutsche Lkw verzeichneten im genannten Betrachtungszeitraum einen Anstieg in Höhe von rund 1,0 Prozent, gebietsfremde Lkw von rund 8,9 Prozent.
 
Schienengüterverkehr 
 
Im Schienengüterverkehr tätige Unternehmen berichteten mehrheitlich von einer eher befriedigenden Auftrags-, Ertrags- und Liquiditätssituation und eher stabilen Umsatz-, Entgelt- und Kostenniveaus. Die Geschäftserwartung der Eisenbahnverkehrsunternehmen für die nächsten Monate ist überwiegend gleichbleibend. Die Gefahr von Insolvenzen in der Branche wird im Allgemeinen eher als gering eingeschätzt. Nach jüngsten vorläufigen Angaben des Statistischen Bundesamtes lag die Verkehrsleistung im Schienengüterverkehr in den ersten beiden Monaten 2021 in etwa auf Vorjahresniveau (plus 0,1 Prozent). Die beförderte Tonnage blieb hingegen um rund 4,4 Prozent hinter dem entsprechenden Vorjahreswert zurück.
 
Kombinierter Verkehr 
 
Im unbegleiteten Kombinierten Verkehr lag das Aufkommen an Containern und Wechselbehältern im Zeitraum von Januar bis Februar 2021 um rund 2,5 Prozent unter dem Wert des entsprechenden Vorjahreszeitraums; das Aufkommen an beförderten Sattelanhängern stieg hingegen um rund 4,9 Prozent. Für das 1. Quartal 2021 berichtete der Hafen Hamburg von einer Zunahme der Containertransporte auf der Schiene im Zu- und Ablaufverkehr des Hamburger Hafens im Vergleich zum entsprechenden Vorjahresquartal um rund 5,1 Prozent.
 
Binnenschifffahrt 
 
In der Binnenschifffahrt bleibt die Auftragslage heterogen. Nach den jüngsten Befragungen zeigte sich in der Trockengüterschifffahrt angesichts positiver Impulse aus der Automobilindustrie eine steigende Transportnachfrage für Eisenerze und Stahl, insbesondere in den Kanalgebieten. Das Aufkommen u. a. an Getreide, Düngemitteln und Sekundärrohstoffen bewege sich weiterhin auf hohem Niveau. Die Tankschifffahrt verzeichnet nach Unternehmensangaben eine schwache Beförderungsnachfrage für fossile Brennstoffe; vor allem aufgrund weiterhin geringerer Verbräuche infolge der Corona-Krise und des Aufbaus hoher Lagerbestände in den letzten Monaten. In der Containerschifffahrt herrscht eine saisonübliche bis gute Auftragslage. Infolge der sechstägigen Blockade des Suezkanals kommt es nun jedoch zu Abfertigungsproblemen in den westeuropäischen Seehäfen, die sich negativ auf die Hinterland-Verkehre auswirken.
 
Wesentliche Einschränkungen im grenzüberschreitenden Binnenschiffsgüterverkehr, die im Zusammenhang mit Corona-Schutzmaßnahmen standen, wurden im Rahmen der jüngsten Befragungen nicht benannt. Der Impffortschritt beim fahrenden Personal sei nach Unternehmensangaben lückenhaft. Trotz Bescheinigungen der Arbeitgeber, in der Versorgung der Bevölkerung tätig zu sein, sei es für das Schiffspersonal mitunter sehr schwierig, zeitnah einen Impftermin zu erhalten. Zahlreiche Weiterbildungslehrgänge für das fahrende Personal werden aufgrund der Corona-Pandemie immer wieder verschoben. Ferner werden Leistungsdefizite bei den Auszubildenden aufgrund des zwischenzeitlichen Wegfalls der Präsenzzeiten in den Berufsschulen befürchtet.
 
Seeschifffahrt 
 
Mittlerweile haben die ersten Seehäfen ihre Umschlagsergebnisse für das 1. Quartal 2021 veröffentlicht. Danach stieg der Seegüterumschlag in Rotterdam im Vergleich zum 1. Quartal 2020 insgesamt um rund 3,0 Prozent, im belgischen Antwerpen stagnierte er. In Deutschlands größtem Universalhafen Hamburg legte der Seegüterumschlag im Vorjahresvergleich um rund 0,4 Prozent zu. In Lübeck erhöhte er sich um rund acht Prozent, vor allem aufgrund einer deutlichen Zunahme der RoRo-Verkehre. Der Containerumschlag in den Häfen der Nordrange bewegte sich in den ersten vier Monaten des Jahres 2021 ebenfalls über dem Vorjahresniveau; er zeigte sich damit kaum durch den Lockdown in vielen europäischen Ländern belastet.
 
Eine hohe Nachfrage in Verbindung mit einem knappen Kapazitätsangebot, das durch die sechstägige Blockade des Suezkanals durch die Havarie eines Containerschiffs noch verstärkt wurde, bedingte in der Linienfahrt mit Asien/Australien im 1. Quartal 2021 einen sehr starken Anstieg der Frachtraten und bescherte Containerreedereien einen guten Start ins Jahr 2021. Die Zeitcharterraten für Containerschiffe erreichten im bisherigen Jahresverlauf neue Rekordwerte.
 
Luftfracht
 
Das Angebot an Flugverbindungen liegt noch immer auf niedrigem Niveau, aber eine Entspannung der Lage wird sichtbar. Der zunehmende Impffortschritt und die rückläufigen Infektionszahlen führen zu einer erhöhten Nachfrage. Im Luftfrachtverkehr haben Passagier-Airlines auf die Nachfrage reagiert und transportieren weiterhin verstärkt Fracht. Die Luftfrachtlogistik agiert in der Krise stabil und sichert die Versorgung aus der Luft. Für die hohe Dynamik sorgen alle Teilsegmente im Luftfrachtmarkt: das hohe Aufkommen in der Standardluftfracht, hohe Flugbewegungen bei ad hoc-Frachtchartern und im starken Online-Handel. Durch limitierte Kapazitäten bei Seecontainern kommt es auch zu temporär veränderten Logistikketten zugunsten der Luftfracht. 
  
Detaillierte Aussagen und Grafiken enthält der Sonderbericht KW 22/2021 des BAG.

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