Das Bundesamt für Güterverkehr (BAG) berichtet im Rahmen der Marktbeobachtung regelmäßig über die Auswirkungen der Corona-Krise auf den deutschen Güterverkehrsmarkt. Die Ergebnisse der telefonischen Befragung ausgewählter Unternehmen stellen eine qualifizierte Momentaufnahme der aktuellen Wirkungen der Krise auf die Transport- und Logistikbranche dar. Der aktuell vorliegende BAG-Sonderbericht KW 06/2021 berücksichtigt Erkenntnisse und Informationen, die bis zum 10. Februar 2021 vorlagen. 

 
Straßengüterverkehr 
 
Im Straßengüterverkehr tätige Unternehmen berichteten überwiegend von einer saisonüblichen bis guten Auftragslage – trotz der seit Mitte Dezember 2020 geltenden Maßnahmen zur Eindämmung der Ausbreitung von SARS-CoV-2 und der hiermit verbundenen weitreichenden Einschränkungen im Einzelhandel und Dienstleistungsbereich sowie im Gastronomie-, Tourismus- und Eventbereich. In der KEP-Branche profitieren befragte Unternehmen weiterhin von einer überdurchschnittlich hohen Beförderungsnachfrage im Privatkundenbereich. Sofern KEP-Unternehmen von Verschlechterungen der Auftragslage berichteten, wurden diese neben den Corona-Maßnahmen mit saisonalen Nachfragerückgängen in einzelnen Segmenten begründet. Wiederkehrender Kritikpunkt sind die häufig wechselnden, nicht bundeseinheitlichen Regelungen zur Eindämmung der Ausbreitung von SARS-CoV-2, infolge derer es unternehmensseitig zu einem hohen Dispositionsaufwand komme; eine Planungssicherheit fehle. 
 
Im grenzüberschreitenden Straßengüterverkehr zwischen Großbritannien und dem europäischen Festland kam es zu Jahresbeginn aufgrund des Brexits zu größeren Störungen, da nicht alle Verlader auf die neuen Zollvorschriften und Dokumentationspflichten vorbereitet waren. Wegen inkorrekter Papiere wurden zahlreiche Lastkraftwagen an den Kanalübergängen abgewiesen. In der Folge nahmen u. a. einige große Logistikdienstleiter vorübergehend keine Sendungen mehr aus der EU nach Großbritannien an. Hauptsächlich aufgrund von Zollformalitäten und -kontrollen stiegen die Laufzeiten im Großbritannien-Verkehr. Ansonsten wurden im Rahmen der jüngsten Befragungen keine nennenswerten Einschränkungen im grenzüberschreitenden Verkehr aufgrund geltender Quarantäneverordnungen und etwaiger Schutzmaßnahmen benannt.
Der bereinigte Lkw-Maut-Fahrleistungsindex lag im Zeitraum vom 31.01. bis 06.02.2021 im Durchschnitt rund 2,7 Prozent oberhalb des Vorkrisenniveaus (Durchschnittswert im Zeitraum 01.01.2020-22.03.2020). Deutsche Lkw verzeichneten im Betrachtungszeitraum einen Anstieg in Höhe von rund 1,1 Prozent, gebietsfremde Lkw von rund 4,3 Prozent.  
 
Schienengüterverkehr 
 
Die Nachfrage nach Schienengüterverkehrsleistungen in Deutschland weist weiter Erholungstendenzen auf. Nach vorläufigen Angaben des Statistischen Bundesamtes lag die Verkehrsleistung im November 2020 um rund 6,1 Prozent über dem entsprechenden Vorjahreswert; bezogen auf den Zeitraum von Januar bis November 2020 blieb sie noch um rund 5,4 Prozent hinter dem Wert des entsprechenden Vorjahreszeitraums zurück. Eine nachhaltige Verbesserung der Auftrags-, Ertrags- und Liquiditätssituation zeichnet sich auf Grundlage der befragten Eisenbahnverkehrsunternehmen in Deutschland bislang nicht ab. Die Gefahr von Insolvenzen in der Branche wird im Allgemeinen eher als gering eingeschätzt.  
 
Kombinierter Verkehr 
 
Im Kombinierten Verkehr wurden im November 2020 ebenfalls die Ergebnisse des Vorjahresmonats übertroffen. Nach vorläufigen Angaben des Statistischen Bundesamts stieg das Aufkommen an Containern und Wechselbehältern im unbegleiteten Kombinierten Verkehr im Vergleich zum November 2019 um rund 6,7 Prozent. Bezogen auf den Zeitraum von Januar bis November 2020 lag es noch um rund 1,9 Prozent unter dem Wert des entsprechenden Vorjahreszeitraums. Das Aufkommen an beförderten Sattelanhängern stieg im November 2020 im Vergleich zum Vorjahresmonat um rund 13,8 Prozent, insgesamt lag es in den ersten elf Monaten des Jahres 2020 noch um rund 2,2 Prozent unter dem Wert des entsprechenden Vorjahreszeitraums. Auf fast allen Verbindungen des Kombinierten Verkehrs stehen freie Kapazitäten zur Verfügung. Wesentliche betriebliche Einschränkungen der KV-Terminals in Deutschland sind nicht bekannt.
 
Binnenschifffahrt 
 
Die Binnenschifffahrt stand zuletzt stark unter dem Einfluss der Hochwasserlage auf dem Rhein und seinen Nebenflüssen, die zu starken Einschränkungen beim Gütertransport führte. Zeitweise wurde der Rhein abschnittsweise für die Binnenschifffahrt gesperrt. In der Folge reduzierten mehrere Binnenschiffsunternehmen die Fahrzeit ihrer Schiffe oder nahmen einen Teil ihrer Schiffe aus der Fahrt. Dies führte zu deutlichen Einnahmeverlusten. Jenseits dessen berichteten befragte Unternehmen zuletzt von einer heterogenen Nachfrageentwicklung in der Trockengüterschifffahrt (Zuwächse u. a. bei Getreide, Rückgänge u. a. bei Erzen und Metallen) und einer schwachen Beförderungsnachfrage für fossile Brennstoffe in der Tankschifffahrt. Die Auftragsmengen in der Containerschifffahrt im Hinterlandverkehr der ARA-Häfen fielen zuletzt insgesamt saisonüblich aus, seien jedoch volatil. 
Die neue Einreiseverordnung der Bundesregierung vom 14. Januar 2021 hat bei vielen der befragten Binnenschiffsunternehmen zu Unsicherheiten bei der Personaleinsatzplanung geführt, da die zeitlichen Vorgaben zur Nachweispflicht, nicht mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 infiziert zu sein, für das fahrende Personal nach Unternehmensangaben kaum einzuhalten seien. Aufgrund der Überlastung vieler Gesundheitseinrichtungen könnten die Nachweise meist nicht fristgerecht vorgelegt werden. Nennenswerte Einschränkungen im grenzüberschreitenden Binnenschiffsgüterverkehr, die im Zusammenhang mit Corona-Schutzmaßnahmen standen, wurden bislang nicht bekannt. 
 
Seeschifffahrt 
 
In den ersten zehn Monaten des Jahres 2020 wurden in den deutschen Seehäfen insgesamt rund 8,4 Prozent weniger Güter umgeschlagen als im entsprechenden Vorjahreszeitraum. Nach Rückgängen in den Vormonaten legt der Seegüterumschlag seit Juli 2020 in der Tendenz absolut wieder zu und erreichte im Oktober 2020 den bis dato zweithöchsten Wert im Jahresverlauf 2020. 
Der Containerumschlag in den Häfen der Nordrange (Hamburg, Bremerhaven, Rotterdam, Antwerpen, Zeebrügge, Le Havre) bewegte sich zum Jahresende 2020 auf Vorkrisenniveau. Der vom RWI - Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung und Institut für Seeverkehrswirtschaft und Logistik (ISL) erstellte Containerumschlag-Index, hier der Nordrange Index, der Hinweise auf die wirtschaftliche Entwicklung im nördlichen Euroraum und Deutschland gibt, erreichte im Dezember 2020 saisonbereinigt einen Wert von 112,8 Punkten, nach (revidiert) 115,4 Punkten im Vormonat. Zum Vergleich: Im Januar 2020 lag der Containerumschlag-Index bei 112,1 Punkten.
 
Luftfracht
 
Der Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL) berichtete für das Jahr 2020 von einem erwarteten Nachfragerückgang im weltweiten Frachtverkehr von rund zwölf Prozent gegenüber dem Vorjahr. Nach dem abrupten Einbruch in den ersten beiden Quartalen des Jahres 2020 erholte sich die Frachtnachfrage danach deutlich besser als die Passagiernachfrage. An den deutschen Flughäfen gingen die Frachtein- und -ausladungen 2020 um insgesamt nur vier Prozentpunkte zurück, wobei seit September 2020 tendenziell steigende Zuwachsraten gegenüber dem Vorjahr zu verzeichnen sind. 
 
Auch im Januar 2021 entwickelte sich das Luftfrachtaufkommen an den deutschen Flughäfen nach den Verkehrszahlen des Flughafenverbands ADV weiterhin positiv. In der 1. KW 2021 war der positive Effekt mit plus 2,5 Prozent (79.285,4 t) im Vergleich zum selben Zeitraum des Vorjahres (77.377,1 t) noch relativ gering. Ende Januar 2021 (4. KW) waren es schon plus 33 Prozent (104.327,0 t) im Vergleich zum Vorjahr (78.427,6 t).
  
Detaillierte Aussagen und Grafiken enthält der Sonderbericht KW 06/2021 des BAG im Anhang. 

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