Das Bundesamt für Güterverkehr (BAG) berichtet  im Rahmen der Marktbeobachtung über die Auswirkungen der Corona-Krise auf den deutschen Güterverkehrsmarkt. Ab August 2020 wurde die zuletzt zweiwöchentliche Berichterstattung auf einen Vier-Wochen-Turnus umgestellt. Die Ergebnisse der telefonischen Befragung ausgewählter Unternehmen stellen eine qualifizierte Momentaufnahme der aktuellen Wirkungen der Krise auf die Transport- und Logistikbranche dar. Der aktuell vorliegende BAG-Sonderbericht KW 37/2020 berücksichtigt Erkenntnisse und Informationen, die bis zum 10. September 2020 vorlagen.


Straßengüterverkehr 
 
Im Straßengüterverkehr hat sich die Auftragslage befragter Güterkraftverkehrsunternehmen zuletzt verbessert. Seit Anfang September hat die in- und ausländische Beförderungsnachfrage in vielen Bereichen spürbar zugenommen. Vor allem im Konsumgüterbereich sowie im Im- und Export erhole sich die Transportnachfrage zunehmend, nicht zuletzt aufgrund des Anstiegs im Warenverkehr mit Großbritannien und China.
 
Die Geschäftsaussichten bewerteten die Unternehmen zuletzt eher positiv. Dennoch bleibt der Wettbewerbs- und Preisdruck hoch. Den Angaben der Befragten zufolge hat die Anzahl an Neuausschreibungen branchenübergreifend zugenommen. Einige Auftraggeber aus Branchen, die mitunter hohe finanzielle Einbußen infolge der Corona-Krise verzeichnet haben, fordern aktuell Preisnachlässe.
 
Im KEP-Bereich ist das Sendungsaufkommen von Paketen weiterhin überdurchschnittlich hoch. Mitunter wurden unternehmensseitig Kapazitäten aufgebaut, um die gestiegene Nachfrage im B2C-Kundengeschäft nachhaltig bedienen zu können. Durch den Aufschwung verschärfen sich in der KEP-Branche strukturelle Herausforderungen, beispielsweise Auslieferungskonzepte auf der letzten Meile.
 
Der Lkw-Maut-Fahrleistungsindex liegt weiterhin leicht unter dem Vorkrisenniveau. Insgesamt lag der bereinigte Indexwert im jüngsten Betrachtungszeitraum (29.08.-04.09.2020) im Durchschnitt rund 0,9 Prozent unterhalb des Vorkrisenniveaus (Durchschnittswert im Zeitraum 01.01.2020-22.03.2020). Dabei fielen die Rückgänge bei den deutschen Lkw (minus 1,6 Prozent) höher aus als bei den gebietsfremden Lkw (minus 0,1 Prozent). 
 
Schienengüterverkehr 
 
Im Schienengüterverkehr sank nach vorläufigen Angaben des Statistischen Bundesamtes die Beförderungsmenge im ersten Halbjahr 2020 im Vergleich zum ersten Halbjahr 2019 um rund 9,7 Prozent; die Verkehrsleistung nahm um rund 9,0 Prozent ab. Besonders hoch fielen die Rückgänge im April und Mai 2020 aus. Hohe Aufkommensrückgänge zeigten sich in der ersten Jahreshälfte 2020 u. a. bei Fahrzeugen, Kohle, Metallen und Metallerzeugnissen, sonstigen Mineralerzeugnissen und in der Güterabteilung „Erze, Steine und Erden, sonstige Bergbauerzeugnisse“. Trotz gewisser Erholungseffekte blieb die Nachfrage nach Schienengüterverkehrsleistungen in der jüngeren Vergangenheit weiter hinter dem Vorkrisenniveau zurück. Nach wie vor berichten befragte Eisenbahnverkehrsunternehmen von produktionsbedingten Zugausfällen und freien Kapazitäten im Schienengüterverkehr.

Kombinierter Verkehr 
 
Im Kombinierten Verkehr sank das Aufkommen an Containern und Wechselbehältern im unbegleiteten Kombinierten Verkehr nach vorläufigen Angaben des Statistischen Bundesamtes im ersten Halbjahr 2020 im Vergleich zum ersten Halbjahr 2019 um rund 4,4 Prozent auf rund 3,4 Mio. TEU. Während einzelne KV-Terminals zwischenzeitlich wieder von nahezu normalen Umschlagsvolumina berichten, melden andere weiterhin deutlich geringere Umschlagsmengen als im Vorjahr. Insgesamt bleibt die Nachfrage im Kombinierten Verkehr damit weiter hinter dem Vorkrisenniveau zurück. Auf fast allen Verbindungen des Kombinierten Verkehrs stehen freie Kapazitäten zur Verfügung. Wesentliche betriebliche Einschränkungen der KV-Terminals in Deutschland sind nicht bekannt.
 
Binnenschifffahrt 
 
In der Binnenschifffahrt liegen die Beförderungsmengen aufgrund saisonaler Effekte, die durch die Corona-Pandemie verstärkt werden, weiterhin unter dem Vorjahresniveau. Zwar haben viele für die Binnenschifffahrt wichtige Industriezweige ihre Produktion zwischenzeitlich wieder gesteigert; aufgrund hoher Lagerbestände erwarten Marktteilnehmer jedoch, dass sich dies erst mit einer gewissen zeitlichen Verzögerung in der Transportnachfrage widerspiegeln werde. Sperrungen und Einschränkungen von Schleusen wirkten sich nach Angaben befragter Binnenschiffsunternehmen ebenfalls negativ auf die Auftragslage aus. Bemängelt werden ferner zum Teil langwierige behördliche Genehmigungsverfahren.
 
Insbesondere im Rheinstromgebiet besteht weiterhin ein deutliches Überangebot an Schiffsraum. Dies wirkt sich negativ auf das Frachtenniveau aus. Zuletzt wurde von Preisnachlässen im Rahmen von Verlängerungen bestehender Altverträge und teils empfindlichen Frachtenrückgängen bei Neuverträgen berichtet. Die Tagesfrachten seien mitunter kaum ausreichend, um die Betriebskosten zu decken. Liquiditätsengpässe und künftige Insolvenzen seien nach Einschätzung von Marktteilnehmern insbesondere mit Blick auf einige freie Partikuliere nicht auszuschließen.
 
Seeschifffahrt
 
Die großen Seehäfen Hamburg, Bremen/Bremerhaven, Rotterdam und Antwerpen verzeichneten im ersten Halbjahr 2020 allesamt mehr oder minder deutliche Umschlagsrückgänge. Im Vergleich zum ersten Halbjahr 2019 sank der Seegüterumschlag in Hamburg um rund 12,0 Prozent, in den Bremischen Häfen um rund 4,3 Prozent, in Rotterdam um rund 9,1 Prozent und in Antwerpen um rund 4,9 Prozent. Hafenübergreifend zeigten sich hohe Rückgänge beim Massengutumschlag, insbesondere von Erzen und Kohle. Der Hafen Hamburg verzeichnete mit einem Minus von rund 12,4 Prozent von allen genannten Häfen den höchsten Rückgang beim Containerumschlag (Basis: TEU); in Rotterdam und den Bremischen Häfen betrugen die Rückgänge rund 7,0 Prozent bzw. rund 4,8 Prozent. Antwerpen erzielte beim Containerumschlag hingegen ein kleines Plus. Die Umschläge von Fahrzeugen in den Bremischen Häfen und Antwerpen gingen im Vergleichszeitraum um mehr als ein Drittel zurück. Begleitet wurde die Abnahme des Seegüterumschlags im zweiten Quartal 2020 von einem deutlichen Rückgang der Erzeugerpreise für Güterbeförderungen in der See- und Küstenschifffahrt. Besonders hoch fielen diese auf den Linien mit Asien und Australien und im RoRo-Fährverkehr aus. Zwischenzeitlich zeigen sich sowohl mit Blick auf den Seegüterumschlag als auch die Frachtraten gewisse Erholungstendenzen.
 
Luftverkehr
 
Das Angebot an Linienflügen zeigt noch keine wesentliche Erholung auf. Das Luftfrachtaufkommen erholte sich zwar schneller als der Passagierverkehr, blieb aber unter dem Vorjahresniveau. Nach den Verkehrszahlen des Flughafenverbands ADV fiel im Juli 2020 das Cargo-Aufkommen um 7,4 Prozent, bezogen auf den Vorjahreswert. In der Woche vom 10. bis 16. August 2020 konnte sich das Aufkommen kurzfristig um 2,4 Prozent im Vergleich zur Vorjahreswoche verbessern. Anfang September lag es aber wieder um 3,8 Prozent unter dem Vorjahresniveau. Fehlende Kapazitäten aus der Beiladefracht in den Passagiermaschinen führten zu einer besseren Auslastung bei den Nur-Frachtern. Derzeit fehlt es an wirtschaftlichen Impulsen, und vor allem der Export bleibt deutlich hinter den Erwartungen zurück.

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