Berlin, 2. Juli 2020

Damit die Unternehmen der Luftfrachtbranchen die Folgen der Covid-19-Krise abmildern können, müssen jetzt vorhandene Digitalisierungs- und Innovationspotenziale gehoben werden und schnelle Fortschritte bei der Umstellung auf digitale Frachtdokumente und beim Datenaustausch mit den zuständigen Behörden gemacht werden. Entscheidend wird auch die zügige Umsetzung der Fördervorhaben aus dem ‚Innovationsprogramm Logistik 2030‘, wie die Optimierung von Anbindungen der Flughäfen an landgebundene Verkehrsträger und die Wahrung des Bestandsschutzes für bedarfsgerechte Betriebszeiten sein. Dies ist ein Ergebnis des erstmals digital durchgeführten ‚Branchengespräch Luftfracht‘ des DSLV Bundesverband Spedition und Logistik mit dem Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) und dem Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL). Hochrangige Aircargo-Vertreter der Verbände appellierten an die Politik, den Neustart nach der Krise als Chance für Innovationen in der Luftfrachtpolitik zu nutzen. 

 
Die Luftfrachtbranche erlebte in den zurückliegenden Monaten einen zukunftsweisenden Wandel. Nach den coronabedingten Streichungen der meisten Flugdestinationen stand der globalen Logistik kaum noch Flugladeraum zur Verfügung. Mit den Folgen der Covid-19-Pandemie für den Welthandel ging das Luftfrachtvolumen an den deutschen Standorten gegenüber dem Vorjahr deutlich zurück. Im März betrug der Aircargo-Mengeneinbruch etwa 12 Prozent, im April waren es 14 Prozent und im Mai um die 10 Prozent. Hierzu Timo Stroh, Vorsitzender des DSLV-Fachausschusses Luftfrachtspedition: „Neben dem Lockdown ganzer Märkte war die Stilllegung der Passagierflugzeugflotten, in denen in Vorkrisenzeiten die Hälfte aller weltweiten Luftfrachtsendungen als so genannte Beiladefracht ('Bellyfracht') befördert wurden, wesentlicher Treiber des Rückgangs. Die Luftfracht ist in den Sog des vollständigen Zusammenbruchs des weltweiten Passagierverkehrs geraten.'
 
Von heute auf morgen war damit die Konnektivität des Wirtschaftsstandorts Deutschland unterbrochen. Die verladende Industrie und die Luftfrachtspediteure waren vor enorme operative und dispositive Herausforderungen gestellt. Luftfrachtspediteure, die rund 80 Prozent der per Luftfracht nach Deutschland importierten Güter abwickeln, hatten auch in der Hochphase der Krise eine entscheidende Rolle bei der Sicherung der Lieferketten. Mit guter Vernetzung und hoher logistischer Organisationskompetenz, darunter Vollcharter von Frachtraum auch in umgerüsteten Passagierflugzeugen, konnten Speditionen in enger Kooperation mit den Airlines die Versorgungssicherheit für Industrie, Handel und Bevölkerung mit dringend benötigten Gütern gewährleisten. 
 
Stroh appelliert deshalb: „Die Politik hat während der Krise sehr schnell reagiert und die Rahmenbedingungen flexibel angepasst. Die Erholung des Luftfrachtstandorts Deutschland darf jetzt nicht durch alte und neue Hindernisse abgewürgt werden wie etwa durch eine weitere Beschränkung von Nachtflugoptionen, durch im Vergleich mit dem europäischen Ausland ineffizientere Abfertigungsprozesse, steuerliche Sonderregelungen bei der Einfuhrumsatzsteuer sowie EU-weit uneinheitliche Frachtkontrollverfahren.' Etwa 20 Prozent der 1,5 Millionen Tonnen von deutschen Speditionen abgefertigten Luftfrachtsendungen, wandern aufgrund ausschließlich nationaler Auslegungen europäischer Security-Gesetze in ausländische Flughäfen ab. „Dass die Logistik für Deutschland und Europa insgesamt systemrelevant ist, muss sich als nachhaltige politische Erkenntnis etablieren und auch in einer luftfrachtfreundlichen Gesetzgebung niederschlagen', fordert Stroh.

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Presse und Öffentlichkeitsarbeit

Markus Wolters

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