Das Bundesamt für Güterverkehr (BAG) berichtet  im Rahmen der Marktbeobachtung wöchentlich über die Auswirkungen der Corona-Krise auf den deutschen Güterverkehrsmarkt. Die Ergebnisse der telefonischen Befragung ausgewählter Unternehmen stellen eine qualifizierte Momentaufnahme der aktuellen Wirkungen der Krise auf die Transport- und Logistikbranche dar, auch, wenn sie aufgrund der beschränkten Anzahl der befragten Unternehmen im wissenschaftlichen Sinn nicht repräsentativ sind. Der aktuell vorliegende BAG-Wochenbericht KW 20 / 2020 berücksichtigt Erkenntnisse und Informationen, die bis zum 14. Mai 2020 vorlagen.
 
Straßengüterverkehr 
 
Im Straßengüterverkehr bewerten viele befragte Unternehmen ihre Auftragslage trotz der schrittweisen Lockerungen der Corona-Maßnahmen weiterhin als schlecht. Erwartete Nachfrageimpulse, insbesondere aus der Automobil- und Maschinenbauindustrie, dem Einzelhandel sowie der Gastronomie, bleiben bislang aus. Während in den Vorwochen noch von konstanten Transportvolumina im Baugewerbe berichtet wurde, sei in der vergangenen Woche ein Rückgang der Nachfrage registriert worden. In mehreren Regionen seien Großbauprojekte seitens öffentlicher Auftraggeber vorerst angehalten sowie Baugenehmigungen zum Teil zurückgehalten worden. Als Grund wurden Haushaltssperren bei einigen Kommunen genannt.
 
Der Wettbewerbs- und der damit verbundene Preisdruck sind unverändert hoch. Angesichts des hohen Laderaumüberhangs rechnen befragte Unternehmen nicht mit einer mittelfristigen Verbesserung. Die steigende Anspannung auf dem Arbeitsmarkt äußert sich jüngsten Angaben zufolge auch in einer erhöhten Anzahl eingehender Bewerbungen, beispielsweise von Lkw-Fahrern. Der Lkw-Maut-Fahrleistungsindex weist weiterhin Rückgänge gegenüber dem Vorkrisenniveau auf. Danach lag der Indexwert in den ersten fünf Tagen der Kalenderwoche 19 (04.05.2020-08.05.2020) tagesbezogen zwischen 13,4 Prozent und 15,8 Prozent unterhalb des Vorkrisenniveaus (Durchschnittswert im Zeitraum 01.01.2020-22.03.2020). Im 7-Tage-Durchschnitt fiel der Rückgang bei den deutschen Lkw im Zeitraum vom 02.05.-08.05.2020 mit 8,9 Prozent geringer aus als bei den ausländischen Lkw mit 17,2 Prozent. 
 
Schienengüterverkehr 
 
Im Schienengüterverkehr stellen die Nachfragerückgänge die Eisenbahnverkehrsunternehmen in Deutschland weiterhin vor große Herausforderungen. Die Auftrags- und Umsatzentwicklung vieler Eisenbahnverkehrsunternehmen ist angespannt mit entsprechend negativen Auswirkungen auf die Liquiditätslage. Das Entgelt- und Kostenniveau sei aktuell eher stabil. Weiterhin von Relevanz sind der Gesundheitsschutz des Personals und die Anpassung von Betriebsabläufen aufgrund der Corona-Krise.  
 
Vor dem Hintergrund der Nachfragerückgänge verfügt die Mehrheit der Unternehmen weiterhin über freie Kapazitäten im Schienengüterverkehr. Trotz der angespannten gesamtwirtschaftlichen Lage schätzen die Befragten die Insolvenzgefahr für ihr eigenes Unternehmen derzeit als gering ein. Die Geschäftserwartungen für die nächsten drei Monate sind eher gleichbleibend bis schlechter. 
 
Kombinierter Verkehr 
 
Von Ausnahmen abgesehen sind die Terminals des Kombinierten Verkehrs in Deutschland weiterhin uneingeschränkt in Betrieb.  Nach Angaben der DB Netz AG hat in dieser Woche ein KV-Terminal in Stuttgart, das einen starken Bezug zur Automobilindustrie aufweist, wiedereröffnet, während ein automobilaffines Terminal in Landshut weiterhin geschlossen blieb. Der Großteil der Unternehmen des Kombinierten Verkehrs hält sein Leistungsangebot im Wesentlichen uneingeschränkt aufrecht. Auf fast allen Verbindungen besteht ein ausreichendes Kapazitätsangebot. 
 
Binnenschifffahrt 
 
In der Binnenschifffahrt ist die Auftragslage weiterhin rückläufig und in weiten Teilen sehr angespannt. Dies liegt vor allem an den Absatzeinbrüchen in der Automobil-, Stahl- und Chemieindustrie. Allerdings unterliegt die Transportnachfrage sowohl regionalen als auch güterbezogenen Schwankungen. Nach wie vor recht stabil ist die Transportnachfrage für Baustoffe und Heizöl. Allgemein führen das Ausmaß und die Ungewissheit über die Dauer der Corona-Krise bei den Binnenschifffahrtsunternehmen zu großen Unsicherheiten im Hinblick auf die künftige Auftragslage. 
 
Sorge bereiten den Binnenschiffsunternehmen die niedrigen Frachtpreise. Der intermodale Wettbewerbsdruck durch den Schienengüterverkehr steigt vor allem im Bereich der Massengutbeförderungen. Die derzeit sehr niedrigen Gasölpreise schaffen zwar eine gewisse Entlastung bei den Betriebskosten, aufgrund bestehender Gasölklauseln wirken sie sich jedoch in der Regel nicht ertragssteigernd aus. Aufgrund steigender Pegelstände werden zurzeit keine Kleinwasserzuschläge mehr erhoben. 
 
Nachdem einige europäische Staaten weitere Lockerungen bezüglich der Ein- und Ausreise beschlossen haben, nutzt vor allem das nautische Personal aus dem europäischen Ausland die Gelegenheit, in ihre Heimatländer zu reisen und Überstunden in Form von Freizeit auszugleichen. Vereinzelt wird von Quarantänemaßnahmen bei der Heimkehr berichtet. Beschränkungen im grenzüberschreitenden Verkehr wurden von den Gesprächsteilnehmern aktuell nicht benannt.
 
Seeschifffahrt
 
Aufgrund am Markt vorhandener Überkapazitäten und gesunkener Transportmengen wurde von einem Trend hin zu kürzeren Laufzeiten für das Chartern von Containerschiffen berichtet. Infolge der starken Rückgänge in der Container-Linienschifffahrt würden Charterschiffe zunehmend an ihre Eigentümer übergeben. Infolgedessen sanken die Charterraten deutlich. Allerdings erlauben die Charterraten keine Rückschlüsse auf die Entwicklung der Frachtraten am Markt. Nach Einschätzung von Branchenvertretern seien derzeit tendenziell steigende Frachtraten zu beobachten.
 
Luftverkehr
 
Im Luftverkehr verharrte das Angebot an Linienflügen in, von und nach Deutschland auf dem extrem niedrigen Niveau der Vorwochen. Zahlreiche Luftverkehrsunternehmen kündigten jedoch für Juni spürbare Angebotsausweitungen an. Im Luftfrachtverkehr glichen die reinen Frachtflüge das üblicherweise als Belly-Fracht mit Passagierflügen beförderte Aufkommen nicht in vollem Umfang aus. 
 
 
Detaillierte Aussagen und Grafiken enthält der Wochenbericht KW 20 / 2020 des BAG im Anhang.
 

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