Berlin, 8. Mai 2019

Die Nachfrage nach Luftfracht wächst weltweit – auch am Luftfrachtstandort Deutschland. Wesentliche Luftfrachtverkehrsströme laufen von und nach Europa, Deutschland hat dabei mit 29 Prozent einen großen Anteil an den umgeschlagenen Waren. Das geht aus der Studie „Luftfracht in Deutschland: Status quo und langfristige Entwicklung“ des Bundesverbandes der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL) hervor. Und der Luftfrachtverkehr wird auch weiterhin wachsen. Prognosen gehen global von 4,2 Prozent pro Jahr aus, doch im Vergleich zu Asien fällt das zu erwartende Wachstum geringer aus. Während etwa der innerchinesische Markt zukünftig um 6,3 Prozent pro Jahr zulegen soll, sind für das Wachstum der Luftfracht in und mit Europa nur durchschnittlich 3,7 Prozent jährlich prognostiziert. Gemäß der Prognose werden 2037 ca. 60 Prozent des globalen Luftfrachtvolumens im Verkehr in und mit Asien stattfinden. 

Die aktuelle Analyse des BDL umfasst den Status quo und die zukünftige Entwicklung der Luftfrachtbranche bis 2037. Luftfracht bleibt eine wesentliche Voraussetzung für den Erfolg der deutschen Exportwirtschaft und bedient die weltweite Nachfrage nach Qualitätsprodukten Made in Germany schnell und zuverlässig. Ein Trend, der sich dabei auch weiterhin fortsetzt und das Luftfrachtwachstum weltweit treibt, ist der Onlinehandel. Er hat in Deutschland seit 2008 um 15,6 Prozent pro Jahr zugelegt. Dieses Wachstum scheint auf den ersten Blick zwar solide, ist im Vergleich zum Wachstum in den USA (+16 Prozent pro Jahr) seit 2010 geringer. Luftfracht hat also nicht nur für Industrieunternehmen eine herausragende Bedeutung, sondern auch für den Einzel- und Onlinehandel – auch wenn das der Endkunde meist gar nicht bemerkt. Beispielsweise kommen mehr als 90 Prozent aller Smartphones auf dem Luftweg nach Deutschland, und auch der weltweit gleichzeitige Start einer neuen Modekollektion wäre ohne den schnellen Transport per Luftfracht kaum zu denken. Das Wachstum im internationalen Onlineversandhandel zeigt, dass die Bedürfnisse der Menschen unterschiedlicher werden, und die Luftfracht leistet einen wichtigen Beitrag dazu, dass diese Nachfrage nach Produkten aus der ganzen Welt auch bedient werden kann.

Beeinträchtigend wirken hierzulande aber nach wie vor im internationalen Wettbewerb unattraktivere Rahmenbedingungen wie insbesondere Betriebszeitbeschränkungen, fehlende Digitalisierung – auch an Behördenschnittstellen – und sinkende Akzeptanz. In Westeuropa stehen mit Lüttich, Luxemburg und Brüssel konkurrierende Flughafenstandorte bereit, diese solchen Beeinträchtigungen nicht gegenüberstehen.

„Wenn wir einen starken Luftfrachtstandort Deutschland erhalten wollen, müssen wir für attraktivere Rahmenbedingungen hierzulande sorgen“, erklärte Matthias von Randow, Hauptgeschäftsführer des BDL, anlässlich des Branchengesprächs Luftfracht von BDI, BDL und DSLV. 

Holger Lösch, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des BDI, hob die Bedeutung der Luftfracht für die deutsche Wirtschaft insgesamt hervor: „Der Industriestandort Deutschland ist gerade bei zeitkritischen und weltweiten Handelsbeziehungen auf eine leistungsfähige Luftverkehrswirtschaft angewiesen. Deutschland muss national einseitige Belastungen vermeiden, um die Wettbewerbsfähigkeit der Luftverkehrsbranche und der deutschen Wirtschaft insgesamt zu gewährleisten.“

Henning Dieter, Vorsitzender des Fachausschusses Luftfrachtspedition beim Bundesverband Spedition und Logistik (DSLV) betonte: „Entscheidend für eine zuverlässige Luftfrachtlogistik sind eine gute Infrastruktur und die Qualität des Handlings an den Flughäfen. Behörden können effiziente Luftfrachtprozesse durch schlanke Verwaltungsstrukturen und digitale Schnittstellen unterstützen.“ 

Die Verbände haben vor diesem Hintergrund fünf essentielle Handlungsfelder ausgemacht, die für die Zukunft des Luftfrachtstandorts Deutschland erfolgskritisch sind:

  • die Digitalisierung und Standardisierung von Prozessen entlang der Logistikkette, auch mit staatlichen Institutionen und Behörden voranbringen
  • Zusammenarbeit von Behörden und Unternehmen für mehr Effizienz bei der Luftsicherheit verbessern
  • eine Ausweitung von Flugbetriebsbeschränkungen und -verboten in den Nachtrand- sowie Nachtzeiten ausschließen
  • Kapazität und Effizienz der Flugsicherung in Europa erhöhen
  • marktorientierte internationale Maßnahmen beim Klimaschutz im Luftverkehr voranbringen und nationale wettbewerbsverzerrende Alleingänge ausschließen

Diese Themen stehen im Mittelpunkt des Branchengesprächs, zu dem die Verbände neben Unternehmensvertretern auch die luftverkehrspolitischen Sprecher der Regierungskoalition zum Gespräch geladen haben.

Die vollständige Studie können Sie hier herunterladen:
https://bit.ly/2ZTtALI

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Markus Wolters

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