Im Rahmen der Umsetzung des Aktionsplans Güterverkehr und Logistik der Bundesregierung hat das BAG im Auftrag des BMVI einen weiteren Marktbeobachtungsbericht zur Situation an den Laderampen erstellt. Dieser verzeichnet in einzelnen Punkten, wie dem sozialen Aspekt, durchaus Verbesserungen der oftmals kritischen Situation an der Logistikschnittstelle Laderampe, sieht jedoch gleichzeitig Spielraum für weitere Verbesserungen. Diese betreffen insbesondere die oft mangelhafte Informationslage über die Ankunfts- und Wartezeiten und das fehlende Wissen über die Leistungsverpflichtungen der am Entladeprozess Beteiligten.

Im Rahmen der Umsetzung des Aktionsplans Güterverkehr und Logistik der Bundesregierung hat das Bundesamt für Güterverkehr (BAG) im Auftrag des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) einen weiteren Marktbeobachtungsbericht zur Situation an den Laderampen erstellt und dazu im Jahr 2017 deutschlandweit 778 in- und ausländische Kraftfahrer sowie 87 Betreiber von Laderampen befragt. Untersucht wurde dabei, inwiefern es in den letzten Jahren zu Verbesserungen an der Logistikschnittstelle Rampe im Hinblick auf Wartezeiten, Zuständigkeiten bei der Fahrzeugentladung, Kenntnisse hinsichtlich der vertraglichen Pflichten, Nutzung von Zeitfenstermanagement-Systemen und die soziale Situation gekommen ist.
 
Die dabei ermittelten Ergebnisse stellen sich wie folgt dar:
  • Wartezeiten: Diese führen nach wie vor zu Beeinträchtigungen der Transportabläufe. Von den befragten Kraftfahrern gaben rund 47 Prozent an, dass sich die Wartezeiten in den letzten fünf Jahren im Durchschnitt verlängert hätten. Von den Rampenbetreibern konnten diese Aussage lediglich 16 Prozent bestätigen, während etwa 43 Prozent eine Verkürzung der Wartedauer auszumachen glaubten. Die Einschätzung beider Seiten ist in diesem Punkt absolut gegenläufig.
  • Ladetätigkeit: Fast 91 Prozent der Fahrer müssen ihr Fahrzeug mehr oder minder häufig selbst entladen. Gut 40 Prozent der Rampenbetreiber gaben jedoch an, dass die Fahrer bei ihnen nie selbst entladen müssen. Bemerkenswert ist dabei das fehlende Wissen über die Zuständigkeiten. Rund 65 Prozent aller befragten Fahrer und 32 Prozent aller Rampenbetreiber gaben an, nicht immer genau zu wissen, ob die Zuständigkeit für die Fahrzeugentladung vertraglich geregelt ist oder nicht. Fast die Hälfte der Kraftfahrer gab zu, dass sie im Vorfeld nur selten oder nie wissen, ob sie ihr Fahrzeug selbst entladen müssen. Bei unklarer Informationslage entscheiden in 60 Prozent der Fälle die Rampenbetreiber, ob der Fahrer selbst entladen muss.
  • Zeitfenstermanagement-Systeme: Über die Hälfte der befragten Fahrer hat regelmäßig mit derartigen Systemen zu tun und bewertet diese überwiegend positiv. Noch größere Zustimmung erfahren diese Systeme mit fast 84 Prozent bei den Rampenbetreibern. Verbesserungsbedarf besteht jedoch im Hinblick auf Informationen über die voraussichtliche Ankunftszeit der Fahrzeuge. Knapp 61 Prozent der Fahrer und 60 Prozent der Rampenbetreiber gaben an, dass verbindliche Informationen hierüber nie oder nur selten flössen. Gut 64 Prozent der Kraftfahrer werden an Laderampen nie oder nur selten mit Lkw-Abrufsystemen konfrontiert. Ein weiterer Punkt mit Verbesserungspotenzial ist die Informationslage der Fahrer. Über 62 Prozent der Rampenbetreiber erteilen den Fahrern nie oder nur selten verbindliche Informationen über deren Wartezeit.
  • Soziale Situation: Hier scheint sich eine Verbesserung gegenüber früheren Beschreibungen abzuzeichnen. Nahezu alle befragten Rampenbetreiber gewähren den Fahrern mittlerweile Zugang zu ihren Sanitärräumen. Nur bei etwas über zwei Prozent ist das grundsätzlich nicht der Fall. Zugang zu weiteren Sozialräumen gewähren nach wie vor lediglich 52 Prozent der Rampenbetreiber. Dafür wird der persönliche Umgang an den Rampen überwiegend als eher positiv oder sogar sehr positiv empfunden. Das gaben fast 60 Prozent der befragten Fahrer an, wobei der Anteil deutscher und älterer Fahrer überwiegt, während junge und Fahrer ausländischer Herkunft dies nicht so häufig empfinden. Ein Grund für Missverständnisse könnten mangelnde Sprachkenntnisse sein, die von der überwiegenden Zahl der Rampenbetreiber bei ausländischen Fahrern als negativ beurteilt werden.
Auch wenn sich in einzelnen Punkten, die das BAG untersucht hat, eine positive Entwicklung abzeichnet, bleibt insgesamt gesehen Raum für Verbesserungen. Dies zeigen auch die Vorschläge, die von den Fahrern kommen, um die Abläufe an den Rampen flüssiger zu gestalten, wie etwa eine bedarfsgerechte Ausweitung der Lager-, Rampen- und Personalkapazitäten, die Flexibilisierung der Rampenöffnungszeiten, der Ausbau der Parkplätze und die Verbesserung der Informationslage.
 
Nach Ansicht des DSLV ist es unbedingt erforderlich, dass die am Entladeprozess Beteiligten ihre Leistungsverpflichtungen kennen. So fällt die Pflicht zur Entladung in der Regel in den Aufgabenbereich der Rampenbetreiber, die in vielen Fällen selbst unter einer Engpasssituation leiden und offensichtlich den mangelnden Informationsstand der Fahrer ausnutzen. Diese stehen ihrerseits unter Termindruck und helfen bei der Entladung, um die Wartezeiten zu verkürzen.Vor dem Hintergrund des zunehmenden Fahrermangels muss die Organisation der Rampenabläufe durch deren Betreiber unbedingt verbessert werden. Es gilt, die Aufenthaltszeiten der Lkw auf das Notwendigste zu beschränken, damit die Fahrer ihrer eigentlichen Aufgabe nachgehen können, dem Transport von Gütern.
 
Der vollständige Bericht des BAG steht ab sofort auf dessen Webseite kostenlos als Download zur Verfügung.