Berlin, 18. September 2017

Die Sperrung einer seiner wichtigsten Verbindungen hat zu einer nachhaltigen Schädigung des schienengebundenen Transports geführt, bilanziert der Deutsche Speditions- und Logistikverband (DSLV) den seit dem 12. August 2017 bestehenden völligen Stillstand auf der Rheintalbahn bei Rastatt. Angesichts der nicht ausreichend nutzbaren Alternativstrecken wurde deutlich, dass die DB Netz über keinen wirkungsvollen Notfallplan verfügt, um die negativen Folgen vergleichbarer Ausfälle zu begrenzen. Zusätzliches Hemmnis für ein erfolgreiches Krisenmanagement sind die regulatorischen Rahmenbedingungen in Europa, durch die selbst im Ausland theoretisch verfügbare Ausweichstrecken nicht genutzt werden können, weil zum Beispiel der Lokführer die Landessprache nicht spricht. Die europäischen Netzbetreiber müssen vor allem auch ihre Zusammenarbeit stärken, um Krisensituationen besser bewältigen zu können. Für sämtliche Rail Freight Korridore müssen Ausweichkapazitäten zur Verfügung stehen und ein gemeinsames Baustellenmanagement implementiert werden. Bereits in seinem Positionspapier „Zehn Maßnahmen zur Stärkung des Schienengüterverkehrs“ forderte der DSLV unter anderem „sämtliche nationalen und europäischen Gesetze der Eisenbahnregulierung auf bürokratische Hürden zu untersuchen und diese abzubauen“, um damit den dringend erforderlichen Beitrag der Schiene zur Bewältigung des zu künftigen Verkehrsmengenwachstums ausbauen zu können.

„Versorgungsengpässe und Produktionsausfälle bei Unternehmen des Handels und der Industrie haben erneut zu einem schweren Vertrauensverlust in den Schienengüterverkehr sowohl bei der Logistik als auch bei der verladenden Wirtschaft geführt“, bedauert DSLV-Präsidiumsmitglied Axel Plaß. „Als wichtige Glieder intermodaler Lieferketten und flexible Organisatoren des Güterverkehrs sorgen viele Spediteure zwar für alternative Transportlösungen, doch hat der Ausfall viel Aufbauarbeit der vergangenen Jahre für die Schiene wieder zerstört.“ Weil Lieferzusagen nicht eingehalten werden konnten, sind auch Logistik- und Straßentransportunternehmen in den negativen Sog eines der größten Schieneninfrastrukturschäden der letzten Jahrzehnte geraten, haben Kunden verloren und finanzielle Schäden erlitten, für deren Kompensation sich bislang weder die DB Netz noch der Staat angeboten haben.

Durch die Engpasssituation wird die Bedeutung insbesondere des Kombinierten Verkehrs nicht nur für den alpenquerenden Warentransport deutlich, der vor allem auch als Entlastungs-instrument für die Straße entwickelt wurde. Verlagerungen auf die Straße haben die dort durch Fahrermangel ohnehin schon knappen Laderaumkapazitäten regional zusätzlich verengt.

„Auch wenn in der laufenden Legislaturperiode eine deutliche Steigerung des Investitionsetats für den Verkehr durchgesetzt werden konnte, darf das Thema Infrastruktur nicht von der höchsten politischen Agenda genommen werden“, formuliert Plaß die Forderungen des DSLV an die Politik als Konsequenz aus dem Rastatt-Desaster.
 
 
Der DSLV vertritt als Spitzenorganisation die Speditions- und Logistikbranche sowie die Transportwirtschaft über alle Verkehrsträger hinweg (Straße, Schiene, See- und Binnenschifffahrt sowie Luftfracht), einschließlich der Organisation, Bereitstellung, Steuerung, Optimierung und Sicherung von Prozessen der Güterströme entlang der Lieferkette. Der DSLV repräsentiert über seine 16 Landesverbände etwa 3.000 Unternehmen mit mehr als 540.000 Beschäftigten.

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