Nach Österreich verlangt nunmehr auch Frankreich seit 1. April 2017 bei Kontrollen zur Einhaltung des Mindestlohns im Straßengüterverkehr (Loi Macron) die Vorlage einer A 1-Bescheinigung vom Fahrpersonal. Grundsätzlich besteht diese Verpflichtung gemäß Art. 12 und 13 der Verordnung VO (EG) Nr. 883/2004 zur Koordinierung der Systeme der sozialen Sicherheit schon seit dem Jahr 2010 bei Beschäftigungen im EU-Ausland, was aber im Regelfall bislang nicht kontrolliert wurde.

Die A 1-Bescheinigung kann bei sporadischen Einsätzen im EU-Ausland bei der für den Versicherungsnehmer zuständigen Krankenkasse für die zu befahrenden Länder gestellt werden.
Bei regelmäßigen Auslandsfahrten ist hingegen der GKV – Spitzenverband Deutsche Verbindungsstelle Krankenversicherung – Ausland (DVKA) in Bonn (www.dvka.de) für die Ausstellung der A 1-Bescheinigung bei Personen mit Wohnsitz in Deutschland zuständig. Als gewöhnlich in einem oder mehreren EU-Mitgliedstaaten erwerbstätig gilt ein Arbeitnehmer insbesondere dann, wenn er regelmäßig wiederkehrend an mindestens einem Tag im Monat oder an mindestens fünf Tagen im Quartal in einem Staat oder jeweils in mehreren Staaten tätig wird (Nachweis über die zurückliegenden zwölf Monate). Eine pauschale Ausstellung für sämtliche EU-Mitgliedstaaten ist nicht möglich. Die DVKA hat hier Hinweise und nähere Informationen veröffentlicht. Dort ist auch der erforderliche Fragebogen zur Beantragung einer A 1-Bescheinigung (GME 1) zu finden.
Falls Arbeitnehmer/Fahrer ihren Wohnsitz in einem anderen EU-Mitgliedstaat haben, ist zwingend der zuständige Sozialversicherungsträger des jeweiligen Wohnstaates für die Ausstellung der A 1-Bescheinigung zuständig. Eine Liste der im Ausland zuständigen Stellen kann hier abgerufen werden. Gleichzeitig finden sich dort weitere Informationen über die aktuellen Entwicklungen in Frankreich und Österreich hinsichtlich der zu erwartenden Kontrollen.
In Deutschland ansässige Arbeitgeber sollten die A 1-Bescheinigung für Frankreich umgehend beantragen. Aufgrund der zahlreichen Anträge für Österreich ist es bei der DVKA zu Verzögerungen bei der Ausstellung von A 1-Bescheinigungen gekommen. Bei Vorlage eines Nachweises, dass ein entsprechender Antrag gestellt wurde, hat Frankreich eine zweimonatige Übergangszeit eingeräumt, innerhalb derer die A 1-Bescheinigung nachgereicht werden kann. Es empfiehlt sich daher, die vom DVKA ausgestellte Antragsbestätigung als vorläufigen Nachweis mitzuführen. Auch Österreich akzeptiert eine spätere Vorlage der Bescheinigung.