Im September 2015 wird voraussichtlich die Revision der internationalen Qualitätsmanagementnorm ISO 9001:2015 veröffentlicht. Etwa 50 Prozent der Speditionen und Logistikdienstleister sind nach diesem Standard zertifiziert und müssen ihre Systeme während eines dreijährigen Übergangszeitraums auf die Änderungen umstellen. Da durch die Revision insbesondere moderne Managementansätze wie Risikomanagement, Prozess- und Stakeholder-Ansatz noch stärker als bisher Berücksichtigung finden sollen, empfiehlt der DSLV seinen Mitgliedern, die neuen Strategien frühzeitig in die Unternehmensführung zu integrieren.

Die internationale Norm ISO 9001 ist der am weitesten verbreitete Standard zur Zertifizierung von Qualitätsmanagementsystemen. Dies trifft auch auf Spedition und Logistik zu: Erste Auswertungen der Daten aus der Branchenerhebung 2014 des Deutschen Speditions- und Logistikverbands (DSLV) weisen darauf hin, dass der Anteil von nach ISO 9001 zertifizierten deutschen Speditionen und Logistikdienstleistern mit etwa 50 Prozent nicht nur gleichbleibend hoch ist, sondern sogar leicht steigt.

Unternehmen, die ein Qualitätsmanagementsystem erfolgreich einführen und umsetzen, profitieren durch kontinuierlich optimierte Abläufe von einem hohen Qualitätsniveau der Produkte und Dienstleistungen, einer hohen Kunden- und Mitarbeiterzufriedenheit sowie Einsparungen durch Prozesskostenoptimierung und geringe Reklamationsraten. Eine Ausrichtung an der internationalen Norm ISO 9001 und eine entsprechende Zertifizierung machen die Qualitätsmanagementsysteme und Unternehmensprozesse grundsätzlich vergleichbar und sind insbesondere im internationalen Wettbewerb von Vorteil.

In gleicher Weise, wie die Norm einen Kontinuierlichen Verbesserungsprozess (KVP) innerhalb der Unternehmen fordert, wird sie auch selbst alle fünf Jahre auf Aktualität überprüft und gegebenenfalls einem Revisionsprozess unterzogen. Seit ihrer erstmaligen Veröffentlichung im Jahr 1987 wurde die ISO 9001 in den Jahren 1994, 2000 und zuletzt 2008 revidiert.

Die aktuelle Revision unterliegt folgendem Zeitplan:

  • Juni 2013: Veröffentlichung des Komitee-Entwurfs (Committee Draft, „CD“)
  • Mai 2014: Veröffentlichung des Internationalen Normentwurfs (Draft International Standard, „DIS“)
  • voraussichtlich März 2015: Fertigstellung des Internationalen Schlussentwurfs (Final Draft International Standard, „FDIS“) und abschließende Abstimmung, nur noch redaktionelle Änderungen möglich
  • voraussichtlich September 2015: Veröffentlichung der Internationalen Norm (International Standard) ISO 9001:2015
  • ab Veröffentlichung drei Jahre Übergangsfrist zur Umsetzung und Zertifizierung

Folgende grundlegende Veränderungen und Forderungen – zum größten Teil Widerspiegelung der Realität in den Organisationen und Unternehmen – wird es im Vergleich zur aktuell gültigen ISO 9001:2008 geben:

  • Erweiterung der Gliederung von bisher acht auf zehn Kapitel („High Level Structure“), dadurch Erleichterung der Kombination verschiedener zertifizierbarer Standards in Integrierten Managementsystemen (IMS): 1. Anwendungsbereich, 2. Normative Verweisungen, 3. Begriffe und Definitionen, 4. Kontext der Organisation, 5. Führung, 6. Planung, 7. Unterstützung, 8. Betrieb/Arbeitsverrichtung, 9. Leistungsbewertung, 10. Verbesserung
  • stärkere Bedeutung des prozessorientierten Ansatzes vom reinen Erkennen hin zum aktiven Prozessmanagement
  • Analyse von Risiken und Chancen sowie Ableitung entsprechender Maßnahmen durch ein institutionalisiertes Risikomanagement
  • höhere Berücksichtigung aller Interessengruppen in der Unternehmensführung durch Stakeholder-Ansatz
  • Konkretisierung ungenauer Begriffe wie „Produkte“ (neu: „Produkte und Dienstleistungen“), „Ausschlüsse“ (wird nicht mehr verwendet), „Beschaffung“ (Begriffserweiterung: „externally provided products and services“), „Arbeitsumgebung“ (neu: „Prozessumgebung“) und andere
  • größere Flexibilität bei der Bezeichnung von geforderten Dokumenten und Aufzeichnungen (neu: individuell zu konkretisierende „dokumentierte Informationen“)
  • Verantwortung der Führung noch stärker im Vordergrund (Erweiterung von „Management Responsibility“ auf „Leadership“)

Bei der aktuellen Revision der ISO 9001 sollen insbesondere reale Rahmenbedingungen und moderne Managementansätze berücksichtigt werden, die von erfolgreich am Markt operierenden Unternehmen heute bereits umgesetzt werden. Das wird bei der Anpassung an die revidierte Norm bedeuten, dass sich für Organisationen und Unternehmen, die ein auf ihre spezifischen Prozesse zugeschnittenes Qualitätsmanagementsystem erfolgreich und wirksam betreiben, wenig ändern wird.

Unternehmen jedoch, die ein schematisches und unflexibles Qualitätsmanagementsystem – ohne oder unter wenig Berücksichtigung der unternehmensspezifischen Prozesse  – nur formal zum Zweck der Zertifizierung eingeführt haben, werden allerdings nachbessern müssen, denn Auditoren können mit Verweis auf die Normforderungen im Zertifizierungsprozess zukünftig konkreter und tiefergehender nachfragen. Insbesondere wird auch die nachzuweisende Verantwortung der Unternehmensführung für die Umsetzung des Qualitätsmanagementgedankens und die Schaffung entsprechender Voraussetzungen noch stärker betont und hinterfragt als bisher.

Für alle Organisationen und Unternehmen ist es in jedem Fall von Vorteil – auch unabhängig von den Forderungen einer Norm –, moderne Strategien wie Risikomanagement und Stakeholder-Ansatz frühzeitig in ihre Unternehmensführungen und Managementsysteme zu integrieren. Es ist aber zu betonen, dass die ISO 9001:2015 frühestens ab September 2015 gelten wird, für die formale Umsetzung eine dreijährige Übergangszeit besteht und damit gegebenenfalls notwendige Optimierungen ohne Hast, nachhaltig und unter Einbindung aller Interessengruppen eingeführt werden sollten.