Zum Jahreswechsel treten in der Nord- und Ostsee schärfere Abgasvorschriften für die Seeschifffahrt in Kraft. Im Rahmen der Herbsttagung des Komitees Deutscher Seehafenspediteure im DSLV in Hamburg diskutierten die deutschen Seehafen- und Seeschifffahrtsspediteure den aktuellen Status und die möglichen Auswirkungen dieser Neuregelung auf die Speditionsbranche.

Dabei beschäftigt die deutschen Seehafen- und Seeschifffahrtsspediteure insbesondere die Frage, in welcher Höhe die Seetransporte mit zusätzlichen Kosten belastet werden und welche Transportverlagerungen damit einhergehen könnten. Die Reeder haben bislang angekündigt, dass mit Zuschlägen in Höhe von 10-15 Prozent zu rechnen sei, entscheidend für die Preissteigerung seien schließlich die Seestreckenanteile der Linien.

„In rund sechs Wochen gelten die neuen Schwefelgrenzwerte und noch ist der Umfang aller Folgen für Verlader und Spediteure nicht vollends offen gelegt“, erklärt der Sprecher des KDS und DSLV-Vizepräsident Willem van der Schalk. Um den neuen Vorschriften gerecht zu werden, haben Reedereien die Möglichkeit, Abgasreinigungsanlagen einzubauen oder auf alternative Schiffstreibstoffe zu wechseln. Ob Umrüstung oder umweltfreundlichere Treibstoffe, die Alternativen sind für die Reedereien mit Kosten verbunden, die sich auf die Akteure der Transportkette auswirken.
 
Van der Schalk weiter: „Es ist damit zu rechnen, dass es auf bestimmten Routen in der Ostsee zu einer Verlagerung vom Seeverkehrsweg auf die Straße kommen wird. Die Folgen spüren die Häfen, die dort tätigen Spediteure  und natürlich die Kunden.“ Im Zusammenhang mit den bevorstehenden neuen Schwefelgrenzwerten, geht das Bremer Institut für Seeverkehrswirtschaft und Logistik (ISL) davon aus, dass rund 600 000 Lkw-Trailer und noch einmal rund 800 000 Container im Ostseeraum mit einem Verlagerungsrisiko auf die Straße behaftet sind. In erster Linie sind hiervon die Verkehre in Richtung Baltikum betroffen. In Folge der Subventionierung von Trassenpreisen, zeigen sich Verlagerungen auf die Schiene bei den Schwedenverkehren schon heute.
 
Um sich vor Ort über die Auswirkungen des Einsatzes von schwefelarmen Treibstoffen in der Schifffahrt zu informieren, wird das KDS seine nächste Halbjahrestagung am 5. Juni 2015 in einem Ostseehafen durchführen.