Der Güterverkehr in Deutschland wird bis 2030 um 18 Prozent Aufkommen und 38 Prozent Transportleistung ansteigen – davon gehen die Experten der Verkehrsprognose 2030 des BMVI aus. Dabei wird auch künftig der weitaus größte Anteil des Güterverkehrs über die Straße rollen. Für den Kombinierten Verkehr wird eine deutliche Zunahme vorhergesagt, der Modalsplit verändert sich dabei geringfügig zugunsten der Eisenbahn. Für die CO2-Emissionen des gesamten Straßenverkehrs prognostizieren die Experten bis 2030 eine rückläufige Entwicklung. Der prognostizierte Anstieg des Individual- und Güterverkehrs unterstreicht die dringende Notwendigkeit der Investitionen in die Infrastruktur.

Bundesverkehrsminister Dobrindt hat am 11. Juni 2014 die Verkehrsprognose 2030 vorgestellt, die als Orientierungsrahmen der langfristigen Verkehrspolitik in Deutschland sowie als Grundlage des Bundesverkehrswegeplans 2015 dienen soll. Neben der belastbaren langfristigen Prognose der Verkehrsverflechtungen des Personen- und Güterverkehrs innerhalb Deutschlands sowie mit dem Ausland wurde auch die Entwicklung der, durch den Verkehr verursachten, CO2-Emissionen prognostiziert.

 
Sie unterstellt zunächst, dass die deutsche Wirtschaft im Zeitraum von 2010 bis 2030 durchschnittlich um 1,14 Prozent wächst. Aus dieser wohl realistischen Annahme leiten die Experten unter anderem das prognostizierte Verkehrswachstum ab. Gegenüber des Basisjahrs 2010 gehen die Experten für das Prognosejahr 2030 insgesamt von einem Wachstum des Güterverkehrsaufkommens um 18 Prozent aus. Dabei wird von einem deutlichen Anstieg der mittleren Transportweiten (plus 17 Prozent) sowie der grenzüberschreitenden Verkehre (plus 46 Prozent der Transportleistung) ausgegangen. So wird die Güterverkehrsleistung deutlich stärker um 38 Prozent anwachsen.
 
Der Straßengüterverkehr wird auch im Jahr 2030 nach wie vor den Modalsplit dominieren und 83,5 Prozent des gesamten Transportaufkommens, beziehungsweise 72,5 Prozent der gesamten Transportleistung ausmachen. Dabei legen die Transportaufkommen der Schiene und der Binnenschifffahrt noch deutlicher zu und gewinnen so geringfügig Marktanteile zu Lasten des Straßengüterverkehrs. Das Transportaufkommen soll auf 3,6 Milliarden Tonnen (plus 17 Prozent) und die Transportleistung auf 607 Milliarden Tonnenkilometer (plus 39 Prozent) ansteigen. Für die durchschnittliche Transportweite wird im Straßengüterverkehr der stärkste Anstieg von 140 Kilometern in 2010 auf 167 Kilometer in 2030 (plus 19 Prozent) erwartet.
 
Der Schienengüterverkehr wird nach Meinung der Experten geringfügig Marktanteile gewinnen und künftig 10,2 Prozent des Transportaufkommens sowie 18,4 Prozent der Transportleistung übernehmen. Es wird ein Anstieg auf insgesamt 444 Millionen Tonnen Aufkommen (plus 24 Prozent) sowie bei zunehmender Transportweite (plus 16 Prozent) auf 154 Milliarden Tonnenkilometer Leistung (plus 43 Prozent) prognostiziert. Ursächlich für die günstige Entwicklung wird insbesondere die Zunahme des Kombinierten Verkehrs (KV) sein, für den die Experten ein stürmisches Wachstum von etwa 79 Prozent Aufkommen und 73 Prozent Leistung prognostizieren.
 
Auch die Binnenschifffahrt wird von der günstigen Entwicklung des KV profitieren und um 20 Prozent Transportaufkommen wachsen. Jedoch wird für die durchschnittliche Transportweite keine große Veränderung erwartet, so dass die Leistung (plus 23 Prozent) deutlich weniger ansteigen wird, als die des Straßen- und Schienengüterverkehrs.
 
Für die CO2-Emissionen des gesamten Personen- und Güterverkehrs prognostizieren die Experten bis 2030 eine rückläufige Entwicklung. Dies gilt sowohl für die direkten Emissionen (nach der Definition des Kyoto-Monitoring: ohne Vorkette, Emissionen der Stromerzeugung, Biokraftstoffe und nur im Inlandsgebiet; minus 22 Prozent) sowie für die gesamten Emissionen, das heißt unter Berücksichtigung der Gewinnung und Herstellung von Energie (minus 16 Prozent). Die Emissionen des gesamten Straßenverkehrs, die 2010 etwa 95 Prozent der direkten Emissionen aller Verkehrsträger ausgemacht haben, sollen mit minus 23 Prozent der direkten Emissionen und minus 21 Prozent der gesamten Emissionen bis 2030 den stärksten Rückgang verzeichnen. Also zeichnen die Experten kein negatives Bild. Der Studie zufolge wird der Anstieg der Emissionen infolge der prognostizierten Zunahme des Individualverkehres wie auch des Güterverkehrs vor allem durch die Reduktion der spezifischen Verbräuche sowie durch die Verlagerung zu energieeffizienteren Antriebsarten mehr als kompensiert.
 
Im Schienenverkehr werden voraussichtlich direkte Emissionen durch den Rückgang dieselbetriebener Antriebsfahrzeuge gespart (minus 17 Prozent). Durch die Stromproduktion durch CO2-freie Energieträger ist der Rückgang der gesamten Emissionen noch deutlicher (minus 23 Prozent).
 
Im Luftverkehr bewirken steigende Auslastungen sowie technologische Effizienzverbesserungen einen Rückgang der direkten Emissionen (minus 15 Prozent). Jedoch bei den gesamten Emissionen des Luftverkehrs bewirkt die Nachfragesteigerung ein deutliches Plus von 19 Prozent. Bei der Binnenschifffahrt werden keine wesentlichen Veränderungen des CO2-Ausstoßes erwartet (minus ein beziehungsweise plus zwei Prozent).
 
Weitere Details der Entwicklung des Güterverkehrs können der Anlage entnommen werden.
 
Insgesamt liefert die Verkehrsprognose 2030 keine Überraschungen. Möglicherweise wird an vielen Stellen eine höhere Verkehrskapazität unterstellt als tatsächlich zu erwarten ist. Zu hinterfragen ist aber vor allem die Annahme, dass alle Projekte aus dem Bundesverkehrswegeplan 2003 (inklusive Y-Schienentrasse Hamburg / Bremen-Hannover und Bundesautobahn 20 mit Elbquerung) bis 2030 fertiggestellt seien. Daneben müssten auch alle bis 2015 nicht begonnenen Projekte aus dem Bundesverkehrswegeplan 2003 erneut bewertet werden. Dies würde aber wieder eine zusätzliche Prognose erfordern.
 
Zentrale Erkenntnis aus der Prognose bleibt, dass das steigende Verkehrsaufkommen die Modernisierung der Verkehrsinfrastruktur und die dringende Auflösung des Sanierungsstaus erfordert. Dies gilt vor allem für die Beseitigung von Engpässen auf großen Verkehrsachsen.
 
Der vollständige Bericht kann auf der Internetseite des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) unter folgendem Link heruntergeladen werden: http://www.bmvi.de/SharedDocs/DE/Artikel/UI/verkehrsprognose-2030.html
 

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