Das Europäische Parlament hat am 15. April 2014 dem vom Verkehrsausschuss des EP verabschiedeten Bericht, dem Vorschlag der Europäischen Kommission für eine Richtlinie zur Änderung der Richtlinie 96/53/EG zur Festlegung der höchstzulässigen Abmessungen für bestimmte Straßenfahrzeuge im innerstaatlichen und grenzüberschreitenden Verkehr in der Gemeinschaft sowie zur Festlegung der höchstzulässigen Gewichte im grenzüberschreitenden Verkehr, zugestimmt. Damit hat das EP die erste Lesung abgeschlossen.

Der Vorschlag in seiner jetzigen Form erlaubt den Einsatz von Fahrzeugen mit Abrundungen und aerodynamischen Klappen am hinteren Ende des Anhängers. Durch diese aerodynamischen Veränderungen soll beispielsweise ein Lkw, der pro Jahr circa 100.000 Kilometer fährt, bis zu 5.000 Euro an Treibstoffkosten sparen. Hierdurch würden zudem die CO2 Emissionen um bis zu 10 Prozent reduziert. Eine weitere Veränderung betrifft die Erweiterung des Sichtwinkels, der dazu beitragen soll, pro Jahr 300 bis 500 Fußgängern und Fahrradfahrern das Leben zu retten.

Die Kommission hat die Verabschiedung des Berichts begrüßt, allerdings zeitgleich kritisiert, dass einige Änderungsvorschläge, wie zum Beispiel die erweiterte Auslegung des Begriffs „intermodaler Verkehr“, wie von der Kommission vorgeschlagen, abgelehnt wurden. Das Plenum hat auch die Herausnahme der Regelungen zum grenzüberschreitenden Einsatz von Lang-Lkw bestätigt. Die Kommission ist nunmehr aufgefordert, bis 2016 eine Folgenabschätzung zum Betrieb von Lang-Lkw im europäischen Verkehrsnetz vorzulegen.
 
Als Nächstes muss nunmehr der Rat der Europäischen Union seine Position zu dem Gesetzesvorschlag verabschieden. Die griechische Ratspräsidentschaft will versuchen, im Juni 2014 hierrüber eine Einigung zu erreichen. Im Moment finden verschiedene Arbeitsgruppentreffen im Rat statt, die sich mit dem Thema beschäftigen. Der Deutsche Speditions- und Logistikverband (DSLV) bereitet eine Stellungnahme für die Ständige Vertretung Deutschlands in Brüssel vor, die die grundlegenden Positionen des DSLV noch einmal unterstreicht:
 
Rechtssicherheit für die Benutzung des Lang-Lkw: Durch die Entscheidung, die Klarstellungen zum Lang-Lkw aus dem Vorschlag herauszunehmen, existiert im Moment nur die Rechtsinterpretation der Kommission (http://europa.eu/rapid/press-release_IP-12-611_en.htm), welche besagt, dass der Lang-Lkw bereits nach jetziger Gesetzeslage im grenzüberschreitenden Verkehr eingesetzt werden könnte. Der DSLV sieht dies nicht als ausreichende Rechtsrundlage für sichere, langfristige Investitionen in den Lang-Lkw.
 
45-Fuß-Container im Kombinierten Verkehr: Fahrzeugkombinationen, die 45-Fuß-Container im Rahmen des Kombinierten Verkehrs auf Basis der Richtlinie 92/106 befördern, wird eine zusätzliche Länge von 15 Zentimetern (Überhang) gewährt. Dies begrüßt der DSLV grundsätzlich. Der Verkehrsausschuss hat allerdings in seinem verabschiedeten Bericht die Definition des intermodalen Verkehrs gestrichen und stattdessen auf Richtlinie 92/106/EWG und die darin enthaltene Definition des Kombinierten Verkehrs verwiesen. Der Kombinierte Verkehr unterliegt allerdings strengen Voraussetzungen (der auf der Schiene, dem Schiff oder dem Binnenschiff zurückgelegte Streckenabschnitt des Transports muss mindestens 100 Kilometer betragen, der Zu- und Ablauf auf der Straße dagegen darf 150 Kilometer nicht überschreiten). Diese Beschränkung lehnt der DSLV als zu willkürlich ab, da sie weder die Effizienz noch die Rentabilität, die Umweltauswirkungen oder die Infrastruktur und geografischen Besonderheiten der einzelnen Mitgliedstaaten berücksichtigt.
 
Gewichtssensoren: Der DSLV fordert Klarheit, wie die praktische Umsetzung geplant ist und fordert ein europaweit einheitliches Verfahren zur Umsetzung. Darüber hinaus sollte noch einmal überprüft werden, ob die notwendige Technik für die Umsetzung vorhanden ist und Gewichtssensoren signifikante Vorteile für die Sicherheit im Straßenverkehr haben.
 
20,75 Meter Mindestlänge bei Autotransportern: Der DSLV und der ihm verbundene Verein Automobillogistik im DSLV (AML) unterstützen den Änderungsvorschlag des Europäischen Parlaments, wonach die beladene Länge von Autotransportern europaweit einheitlich mindestens 20,75 Meter betragen soll. Bereits heute sind in vielen EU-Mitgliedstaaten die 20,75 Meter Standard, weswegen die Änderung nur die bestehende Praxis gesetzlich festlegt und zur Harmonisierung in der EU beitragen würde. Die Mindestlänge von 20,75 Metern führt zu besserer Energieeffizienz, weniger Lkw sowie reduzierten externen Kosten und CO2 Emissionen für dieselbe Anzahl an transportierten Neuwagen, ohne dass Einbußen an Sicherheit oder zusätzliche Belastungen für die Infrastruktur entstehen.