Die Weltbank hat am 31. März 2014 an der Kühne Logistics University den Logistics Performance Index 2014 präsentiert – Deutschland eroberte den ersten Rang zurück. Sieben europäische Länder finden sich unter den Top Ten, jedoch ist der Abstand zwischen diesen Ländern insgesamt gering. Wie in früheren Jahren stellen Länder mit hohen Einkommen die besten Logistikleistungen, dabei verbessern Länder mit niedrigeren Leistungen ihre Gesamtwerte schneller als solche mit hohen.

Deutschland hat im Ranking des Logistics Performance Index 2014 (LPI 2014) den ersten Platz zurückerobert. Der Index basiert auf den Ergebnissen einer Umfrage unter mehr als 1.000 Logistikfachleuten und wurde im Rahmen des Weltbank-Berichts „Connecting to Compete 2014: Trade Logistics in the Global Economy“ veröffentlicht. Dieser Bericht erschien erstmals in 2007 und wurde nun zum vierten Mal herausgegeben.

Mit dem LPI 2014 wird die Leistungsfähigkeit der Logistik in 160 Ländern auf einer Skala von eins (niedrig) bis fünf (hoch) beurteilt. Dabei weist die Weltbank selbst darauf hin, dass dem Index in seiner Aussagekraft Grenzen gesetzt sind. Einerseits sei die Beurteilung des logistischen Umfelds sowie der Zusammenarbeit mit staatlichen Behörden in armen Ländern durch international agierende Speditionen möglicherweise nicht immer repräsentativ. Andererseits spiegeln sich in der Beurteilung von Binnenstaaten möglicherweise Probleme der über Nachbarländer führenden Transitrouten wider. Bei einer Interpretation der Platzierungen muss zudem berücksichtigt werden, dass die Unterschiede der Indexwerte zwischen den einzelnen Platzierungen sehr gering sind, also geringste Unterschiede in der Beurteilung viele Ränge Abstand bedeuten können.

So geht es bei dem Index weniger um das punktgenaue Ranking, als um die Feststellung, ob sich ein Land hinsichtlich seiner Logistikqualität im oberen, mittleren oder unteren Bereich positioniert. Die Top Ten des LPI 2014 werden, neben Deutschland, von weiteren sechs europäischen Ländern dominiert: Niederlande (Rang zwei), Belgien (drei), Großbritannien (vier), Schweden (sechs), Norwegen (sieben) und Luxemburg (acht). Singapur als bestplatziertes Land des LPI 2012 ist in der aktuellen Ausgabe auf dem fünften Platz gelandet. Die USA erreichten den neunten Platz. Dabei liegen auch die Bewertungen der Top Ten nur wenige Zähler auseinander. Japan erreichte mit nur 0,21 Punkten Abstand zu Deutschland den zehnten Platz.

Interessant ist zudem auch die, in der aktuellen Ausgabe des Berichts enthaltene, zusammenfassende Übersicht der LPIs aller vier Ausgaben (2007, 2010, 2012 und 2014). Dabei wurde für jedes Land ein aggregierter Wert berechnet, bei dem die aktuelleren LPI-Werte stärker berücksichtigt wurden, als die älteren. Auch hier hat Deutschland den ersten Platz eingenommen, gefolgt von Singapur und den Niederlanden. Zudem wurden alle EU- und OECD-Länder im oberen Drittel der Rangliste platziert.

Die Länderbewertungen erfolgten anhand nachfolgender Indikatoren. Die Platzierung Deutschlands kann der Tabelle entnommen werden. 

Indikatoren
LPI-Rang 2014
LPI-Rang
2007-2014
Leistungsfähigkeit der Zollabfertigung
2
2
Qualität der Handels- und Transportinfrastruktur
1
1
Zugang zu wettbewerbsbestimmten Preisen für internationale Verladungen
4
3
Logistikkompetenz und Qualität der Logistikdienstleitungen
3
1
Tracking & Tracing von Sendungen
1
1
Pünktlichkeit von Sendungen
4
2
 
Nach den Ergebnissen der aktuellen Umfrage nehmen Spediteure bei der Bewertung nach Qualität und Kompetenz unabhängig vom Logistikniveau der Länder im Vergleich aller Dienstleister der Transportkette hohe Werte oder Spitzenplätze ein. Bewertet wurden dabei Dienstleister der Bereiche Straße, Schiene, Luft und See, Häfen, Lagerhaltung und Distribution, Spediteure und Zollagenten.
 
Der Bericht weist nicht nur ein vollständiges Ranking von 160 Ländern aus, sondern vergleicht auch Länder gleicher Pro-Kopf-Einkommensgruppen untereinander. Dabei wird beobachtet, dass Länder mit mittleren und niedrigen Pro-Kopf-Einkommen in ihrer Logistikleistungsfähigkeit geringfügig stärker zugelegt haben, als die Länder hohen Einkommens.
 
Während in Ländern mit geringem Einkommen Verbesserungen der Infrastruktur sowie der Zollabwicklung und Grenzkontrolle entscheidend für die Zunahme der Logistikqualität sind, zeigt sich in Ländern mittleren Einkommens als erfolgskritischer Faktor insbesondere die Verbesserung der Logistikdienstleistung.
 
In Ländern mit hohen Einkommen gewinnen umweltfreundliche Logistikdienstleistungen an Bedeutung. 37 Prozent der befragten Teilnehmer, die in Organisation for Economic Cooperation and Development (OECD)-Länder liefern, stellten eine Nachfrage nach umweltfreundlichen Logistiklösungen fest. Bei Teilnehmern mit Lieferungen in Länder niedrigen Einkommens waren dies nur zehn Prozent.
 
Der Logistics Performance Index der Weltbank wird auch von der Federation of Freight Forwarders Associations (FIATA) und seinen nationalen Speditionsverbänden unterstützt. Der aktuelle Bericht (in englischer Sprache) steht auf der Homepage der Weltbank unter http://lpi.worldbank.org/ zum Download bereit.