Die Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) hat am 14. Dezember 2016 den Abschlussbericht zum fünfjährigen Feldversuch mit Lang-Lkw auf ihrer Homepage veröffentlicht. Der Bericht fasst die positiven Erfahrungen, die von Anfang 2012 bis heute mit den verschiedenen Typen des innovativen Fahrzeugkonzepts Lang-Lkw gesammelt wurden, zusammen. Offiziell endet der Feldversuch am 31. Dezember 2016. Am selben Tag soll die Ausnahmeverordnung für Fahrzeuge und Fahrzeugkombinationen mit Überlänge in Kraft treten, die die rechtlichen Grundlagen für die Überführung des Feldversuchs in den Dauerbetrieb liefert. Nach Auffassung des DSLV hat der Lang-Lkw seine Praxistauglichkeit im Feldversuch eindeutig bewiesen. Er ist wirtschaftlich, umweltfreundlich und verkehrssicher und damit bereit für den Dauerbetrieb.

Der Feldversuch mit Lang-Lkw endet offiziell am 31. Dezember 2016. Zuletzt haben sich daran 61 Unternehmen mit 161 Fahrzeugen beteiligt. Basierend auf einem umfangreichen Untersuchungsprogramm mit 20 externen Gutachten und zahlreichen internen Untersuchungen begleitete die Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) den Feldversuch seit Anfang 2012 über dessen Gesamtdauer von fünf Jahren wissenschaftlich und hat den Abschlussbericht am 14. Dezember 2016 auf ihrer Webseite veröffentlicht. Untersucht wurden das Fahrverhalten und die Aspekte Verkehrssicherheit, Straßenbeanspruchung, Umweltauswirkungen, Marktpotenzial sowie mögliche Güterverlagerungseffekte bei fünf verschiedenen Typen des Lang-Lkw. Die Fahrzeuge dürfen mit bis zu 25,25 m zwar länger, aber mit 40 t und 44 t im Kombinierten Verkehr nicht schwerer als ein regulärer Lastzug sein. Eine Übersicht der verschiedenen Typen des Lang-Lkw enthält die Abbildung auf Seite 2 des Berichts.

Ziel der wissenschaftlichen Begleitung durch die BASt war es unter anderem, fundierte Daten zu den in der Öffentlichkeit diskutierten Argumenten pro oder kontra Lang-Lkw zu liefern. Der Abschlussbericht der BASt schreibt den im Herbst 2014 veröffentlichten Zwischenbericht fort und bestätigt erneut die darin festgestellten positiven Effekte des Einsatzes von Lang-Lkw:
 
1. Zwei Fahrten mit Lang-Lkw der Typen 2 bis 4 des modularen Konzepts ersetzen etwas mehr als drei Fahrten mit konventionellen Lkw. Die sich daraus ergebenden Kraftstoffeinsparungen betragen 15 bis 25 Prozent, was insgesamt zu einer Reduktion von Kli-magasen und Luftschadstoffen führt.
2. Intermodale Verlagerungen von Bahn und Binnenschiff auf den Lang-Lkw wurden nicht beobachtet und sind aufgrund der untersuchten Logistik- und Güterstrukturen auch nicht zu erwarten.
3. Eine erhöhte Belastung der Infrastruktur hat sich nicht gezeigt, weil Lang-Lkw mit 40/44 t genauso schwer sind wie normale Lastzüge. Dies betrifft sowohl die Beanspruchung von Bauwerken, als auch die Abnutzung der Fahrbahnoberflächen.
4. Der Lang-Lkw ist genauso sicher wie herkömmliche Fahrzeuge. Die Länge der Bremswege ist vergleichbar. Die Befürchtung eines Durchbruchs bei Aufprall auf die Leitplanken des Mittelstreifens auf Autobahnen hat sich nicht bestätigt. Die Studie verweist auf vergleichbare Risiken bei normalen Lkw und stellt die Frage, ob es nicht sinnvoll wäre, die Schutzeinrichtungen zu verbessern, um die Verkehrssicherheit insgesamt zu erhöhen.
5. Probleme der Verkehrssicherheit bei Autobahnauf- und -abfahrten sowie beim Befahren von Baustellen traten nicht auf. Eine mögliche Erhöhung der Brandleistung im Verkehr durch Tunnelbauwerke wird aufgrund des zu erwartenden geringen Anteils von Lang-Lkw am Verkehrsaufkommen als unrealistisch angesehen und kann außerdem durch verbesserte Lüftungssysteme kompensiert werden.
6. Der Überholvorgang von Lang-Lkw durch andere Verkehrsteilnehmer auf Landstraßen ist nicht gefährlicher als bei anderen Überholmanövern. Stress oder eine überhöhte psychische Beanspruchung der Fahrer konnte nicht festgestellt werden.
 
Insgesamt liefert die Analyse des Unfallgeschehens im Rahmen des Feldversuchs keine Hinweise darauf, dass der Einsatz von Lang-Lkw negative Auswirkungen auf die Verkehrssicherheit haben könnte. Der Bericht schlägt sogar vor, das Überholverbot für Lang-Lkw auf Autobahnen nochmals zur Diskussion zu stellen, da es aus Gründen des Verkehrsablaufs und der Verkehrssicherheit nicht zwingend erscheint. Lediglich der Lang-Lkw vom Typ 1 verlängerter Sattelauflieger passt in die Schrägparkstände auf den Rastanlagen. Alle anderen Varianten sind zu lang. Allerdings wird dem Lang-Lkw aufgrund der beobachteten Routen und Fahrtweiten ein relativ geringer Parkbedarf attestiert. Eine Option könne zudem sein, Lang-Lkw auf privaten Autohöfen zu parken oder die Freigabe der Parkstände von Großraum- und Schwertransporten in Erwägung zu ziehen. Im Ergebnis wird die Parkplatzsituation als beherrschbar eingestuft.
 
Verlängerter Sattelauflieger nimmt Sonderrolle ein
 
Eine Sonderrolle nimmt der verlängerte Sattelauflieger in der Reihe der Lang-Lkw-Typen ein. Mit 17,80 m ist dieser nur um 1,30 m länger als ein normaler Sattelzug mit 16,50 m maximaler Gesamtlänge. Aus diesem Grunde dürfen die Fahrzeuge in acht Bundesländern neben dem für Lang-Lkw zugelassenen Positivnetz das gesamte öffentliche Straßennetz befahren. Der Abschlussbericht kommt zu dem Schluss, dass dieser Umstand auch wesentlichen Einfluss auf das Marktpotenzial des verlängerten Sattelaufliegers hat. Sollte das gesamte deutsche Straßennetz freigegeben werden, könnten bis zu 50 Prozent des Fuhrparkbestands konventioneller Sattelkraftfahrzeuge durch den verlängerten Sattelauflieger ersetzt werden. Hierbei handelt es sich zunächst um eine ungefähre Einschätzung, da sich aus dem Feldversuch keine ausreichende Datenbasis ergeben hat, um die Einsatzfelder dieses Lang-Lkw-Typs hinreichend genau zu identifizieren. Aus diesem Grund und um die Kurvenlaufeigenschaften des verlängerten Sattelaufliegers genauer zu untersuchen, empfiehlt der Abschlussbericht die Verlängerung des Feldversuchs mit dem verlängerten Sattelauflieger, wie ihn die geplante Ausnahmeverordnung für Lang-Lkw auch vorsieht. Dabei soll ebenfalls herausgefunden werden, wie sich die Straßenbeanspruchung verändert, wenn reguläre Sattelauflieger mit ein oder zwei Achsen durch den verlängerten Sattelauflieger mit drei Achsen ersetzt werden.
 
Versuch mit Lang-Lkw Typ 2 wird verlängert
 
Ebenfalls eine Sonderrolle nimmt der Lang-Lkw vom Typ 2 bestehend aus einem Sattelauflieger mit Zentralachsanhänger ein. Dieser weist die schlechtesten Kurvenlaufeigenschaften sowie ein teilweise kritisches Fahrverhalten bei „hochdynamischen Fahrmanövern“ auf, sofern kein Stabilisierungssystem genutzt wird. Dieses Verhalten hängt offensichtlich auch wesentlich vom jeweiligen Beladungszustand der Fahrzeuge ab. Die Gutachter des Abschlussberichts empfehlen daher, die verbindliche Überprüfung auf kritische Beladungszustände in die Ausnahmeverordnung für Lang-Lkw aufzunehmen und diese Variante des Lang-Lkw vor einer Zulassung zum Dauerbetrieb weiter einem Praxistest zu unterziehen. Die geplante Ausnahmeverordnung sieht darum eine Verlängerung des Probebetriebs mit dem Lang-Lkw vom Typ 2 um lediglich ein Jahr vor.
 
Marktpotenzial für Lang-Lkw relativ gering
 
Der Abschlussbericht nimmt auch eine Einschätzung in Bezug auf das Marktpotenzial der Lang-Lkw-Typen 2 bis 5 vor. Im Gegensatz zum verlängerten Sattelauflieger wird dieses jedoch als relativ gering eingestuft. Die maximale Jahresverkehrsleistung der Lang-Lkw-Typen 2 bis 5 wird für das Jahr 2030 auf 100 Millionen Kilometer geschätzt. Bei einer unterstellten Laufleistung von 100.000 Kilometer pro Jahr und Lkw ergibt dies eine Lang-Lkw-Flotte von 1.000 Fahrzeugen im Prognosejahr. Daraus leiten die Gutachter weiter ab, dass der Anteil des Lang-Lkw am Schwerverkehr auf 90 Prozent aller Autobahnen unter 0,5 Prozent liegen wird. Eine Rolle spielen dabei auch die restriktiven Randbedingungen, wie etwa die Beschränkung der Zulassung dieser Lang-Lkw-Typen auf das Positivnetz. Laut Abschlussbericht stellt der Einsatz des Lang-Lkw eine mögliche Teillösung zur Eindämmung des Güterverkehrswachstums und der damit verbundenen Umweltauswirkungen dar. Aus betriebswirtschaftlicher Sicht ist sein Einsatz in bestimmten Bereichen und Einsatzfeldern darüber hinaus sinnvoll. Immerhin ergaben die Erhebungen bei den Teilnehmern des Feldversuchs einen Kostenvorteil von bis zu 26 Prozent pro Stellplatzkilometer im Vergleich zu konventionellen Lastzügen.

Bericht sieht weiteren Forschungsbedarf
 
Auch wenn der Feldversuch mit Lang-Lkw am 31. Dezember 2016 endet, sehen die Autoren des Abschlussberichts noch weiteren Forschungsbedarf. Dazu gehören Fragen, die sich erst nach einem langjährigen Realbetrieb beantworten lassen:
 
1. Wie wirkt sich der Lang-Lkw-Einsatz auf die Standortwahl der Industrie und der Logistikbranche aus?
2. Wie steigert sich die Effizienz im Kombinierten Verkehr durch Einsatz des Lang-Lkw im Vor- und Nachlauf?
3. Die Abhängigkeit der Länge des Bremswegs von der Masse des Fahrzeugs und der Zahl der Achsen sowie der ABS-Regelstrategie sollte durch weitere aufwendige Versuche ermittelt werden.
4. Der Themenkomplex „Parken mit Lang-Lkw“ könnte im Hinblick auf eine intelligente Organisation des Parkens weiter untersucht werden.
5. Wie würde sich die Aufhebung des Überholverbots für Lang-Lkw auf Autobahnen aus
wirken?
 
Die Überführung in den Dauerbetrieb
 
Die rechtliche Basis für die Überführung des Feldversuchs mit Lang-Lkw in den Dauerbetrieb bildet die „Siebte Verordnung zur Änderung der Verordnung über Ausnahmen von straßenver-kehrsrechtlichen Vorschriften für Fahrzeuge und Fahrzeugkombinationen mit Überlänge (LKWÜberlStVAusnV)“, deren Entwurf das BMVI den Bundesländern und betroffenen Verbänden am 5. Dezember 2016 zur Stellungnahme vorgelegt hat. Danach ist geplant, dass die Lang-Lkw-Typen 3 bis 5 auf einem festgelegten Streckennetz ab dem 31. Dezember 2016 ohne zeitliche Befristung eingesetzt werden dürfen. Der Lang-Lkw vom Typ 2 wird für ein weiteres Jahr getestet und der Einsatz des Lang-Lkw-Typ 1 verlängerter Sattelauflieger wird zunächst auf weitere sieben Jahre befristet (siehe auch DSLV-Rundschreiben 261/2016/a vom 28. November 2016).
 
Nach Auffassung des DSLV belegt der vorliegende Abschlussbericht, dass der Lang-Lkw seine Praxistauglichkeit im Feldversuch eindeutig bewiesen hat. In den vergangenen fünf Jahren konnten die Teilnehmer die neuen Fahrzeugkombinationen in ihre Prozesse integrieren und im betrieblichen Alltag testen. In den logistischen Abläufen haben sie sich ebenso bewährt, wie in Fragen der allgemeinen Verkehrs- und Betriebssicherheit. Alle Typen des Lang-Lkw sind zukunftsweisende Fahrzeugkonzepte, die dazu beitragen, das für die Straße prognostizierte
Verkehrswachstum zu bewältigen und Logistikprozesse nachhaltiger zu gestalten. Der Lang-Lkw ist wirtschaftlich, umweltfreundlich und verkehrssicher und bereit für den Dauerbetrieb.

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